Reaktionen zur Friedensnobelpreis-Vergabe an die EU

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union als "wunderbare Entscheidung" begrüßt.
© dpa, Wolfgang Kumm

10. Dezember 2012 - 19:39 Uhr

Merkel: "Das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich"

Die Europäische Union (EU) erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Hier einige Reaktionen zu der Entscheidung:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union als "wunderbare Entscheidung" begrüßt. "Das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich - auch für mich ganz persönlich", sagte sie. Sie habe immer wieder darauf hingewiesen, dass der Euro mehr sei als eine Währung. "Wir sollten auch gerade in diesen Wochen und in diesen Monaten, in denen wir für die Stärkung des Euro arbeiten, genau dies nicht vergessen." Am Ende gehe es immer um die ursprüngliche Idee Europas als Friedens- und Wertegemeinschaft.

Jose Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission: "Das ist die berechtigte Anerkennung für ein einzigartiges Projekt, das seinen Bürgern und der Welt gut tut. Wir sollten nicht vergessen, dass die Europäische Union in ihren Anfängen Nationen zusammengebracht hat. (...) Später hat sie Länder zusammengebracht, die durch den Kalten Krieg getrennt waren ... Selbst in diesen schwierigen Zeiten bleibt die EU eine Inspiration für Länder und Völker in der ganzen Welt."

Altbundeskanzler Helmut Kohl hat die Ehrung der Europäischen Union mit dem Friedensnobelpreis als "klug und weitsichtig" begrüßt. "Ich freue mich sehr über diese Entscheidung", erklärte der 82-Jährige in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Entscheidung des Nobelkomitees sei "vor allem eine Bestätigung für das Friedensprojekt Europa". Zudem sei die Ehrung "eine Ermutigung für uns alle, auf dem Weg des geeinten Europa weiter voranzugehen". Kohl endete mit den Worten: "Als Europäer haben wir heute allen Grund, stolz zu sein. Ich bin es."

Anders Fogh Rasmussen, Nato-Generalsekretär: "Die Europäische Union hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, die Wunden der Geschichte zu heilen sowie Frieden, Versöhnung und Zusammenarbeit quer durch Europa zu fördern. Sie hat dazu beigetragen, Frieden, Demokratie und Menschenrechte auf dem gesamten Kontinent und darüber hinaus voranzubringen."

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts: "Dass der Friedensnobelpreis an die EU vergeben worden ist, finde ich besonders gut. Denn bei aller Diskussion um den europäischen Weg sollte man das europäische Einigungsprojekt nicht in Frage stellen."

Valery Giscard d'Estaing, früherer französischer Staatspräsident: "Es ist richtig, dass diese außergewöhnliche Anstrengung, die geleistet wurde von den Europäern und ihren Führern, auf ihrem Kontinent einen dauerhaften Frieden zu etablieren ..., belohnt und geehrt wird."

Van Rompuy: "Wir sind alle stolz"

Herman van Rompuy, Ratspräsident der Europäischen Union: "Wir sind alle sehr stolz, dass die Bemühungen der EU anerkannt werden, den Frieden in Europa zu bewahren... Europa hat zwei Kriege im 20. Jahrhundert erlebt, und wir haben dank der Europäischen Union Frieden geschaffen. Damit ist die Europäische Union der größte Friedensstifter in der Geschichte."

Hans-Dietrich Genscher, früherer Bundesaußenminister: "Damit wird die friedensstiftende Rolle der europäischen Einigung gewürdigt, friedensstiftend für den europäischen Kontinent und beispielgebend für andere Regionen der Welt. Die Verleihung des Friedensnobelpreises ist aber auch ein deutliches Signal an diejenigen in Europa, die unter Hinweis auf vermeintlich nationale Interessen das europäische Einigungswerk gefährden."

Gerhard Schröder, Altbundeskanzler: "Für das Zusammenwachsen Europas kommt sie zum richtigen Zeitpunkt und stärkt die Kräfte, die sich für eine weitere Integration der Europäischen Union einsetzen ... Sie ist eine deutliche Absage an Nationalismus und Kleinstaaterei."

Guido Westerwelle, Bundesaußenminister: "Das ist eine großartige Entscheidung, die mich stolz und glücklich macht. Die europäische Integration ist das erfolgreichste Friedensprojekt der Geschichte. Aus den Trümmern von zwei schrecklichen Weltkriegen sind Frieden und Freiheit gewachsen, aus Erbfeinden sind gute Freunde und untrennbare Partner geworden."

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments:"Die EU ist ein einzigartiges Projekt, das Krieg durch Frieden ersetzt hat, Hass durch Solidarität" ... "In der EU geht es um Versöhnung und damit kann sie als eine Inspiration dienen."

Nigel Farage, Vorsitzender der euroskeptischen britischen Partei UK Independence Party: "Das zeigt, dass die Norweger wirklich Humor haben. Die EU sollte den 'Trottelpreis für Frieden' bekommen, weil sie sicher keinen Wohlstand geschaffen hat. Die EU hat für Millionen Armut und Arbeitslosigkeit geschaffen."

Die russische Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa hat sich enttäuscht gezeigt über die Auszeichnung der EU mit dem Friedensnobelpreis. "Ich hätte es besser gefunden, wenn zum Beispiel ein politischer Häftling im Iran den Preis erhalten hätte", sagte die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe nach Angaben der Agentur Interfax. Das Nobelpreis-Komitee habe die Chance verpasst, eine Rolle bei der Stärkung der Menschenrechte in Russland zu spielen, sagte die 85-Jährige.