Reaktion aus VW-Skandal: EU und USA wollen Abgastests verschärfen

28. September 2015 - 12:03 Uhr

"Null Toleranz bei Betrug"

Nach dem Abgasskandal bei VW haben die EU und die USA angekündigt, die Emissionstests für Autos verschärfen. In zusätzlichen Prüfungen soll untersucht werden, ob die Abgasnormen auch unter Fahrbedingungen auf der Straße eingehalten werden – und nicht nur in Testlaboren. Vom neuen VW-Konzernchef Müller werden in der Abgas-Affäre nun schnelle Maßnahmen erwartet: Der Konzern kündigte eine Nachbesserungsaktion für die betroffenen Fahrzeuge an.

Reaktion auf VW-Skandal: EU und USA wollen strengere Abgastests
Künftig sollen die Tests auf der Straßen stattfinden und nicht mehr unter Laborbedingungen.
© dpa, Alexander Rüsche

Die US-Umweltbehörde EPA wies in einem Schreiben an die Hersteller darauf hin, dass sie künftig zusätzliche Prüfungen verlangen könne. "Wir werden ihnen nicht erzählen, was für Tests dies sind. Das brauchen sie nicht zu wissen", sagte EPA-Vertreter Chris Grundler. Auch EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska kündigte ein konsequentes Vorgehen an. "Unsere Botschaft ist klar: strenge Befolgung der EU-Regeln und null Toleranz bei Betrug." Die EU hat Emissionstests entwickelt, die Autos im Straßenverkehr überprüfen. Sie sollen ab Januar eingeführt werden. Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte allerdings, die Brüsseler Behörde gebe nur den regulatorischen Rahmen vor, für die Umsetzung seien die Mitgliedsländer zuständig.

Vor einer Woche hatte die EPA bekanntgegeben, dass VW in Diesel-Modellen eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verbaut habe. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft, und reguliert dann den Motor so, dass Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40 Mal höher als vorgegeben. Weltweit sollen elf Millionen Fahrzeuge verschiedener Marken des Konzerns betroffen sein, davon fünf Millionen der Kernmarke VW. Dabei handelt es sich Volkswagen zufolge um unterschiedliche Modelle aus mehreren Baujahren, etwa den Golf der sechsten Generation, den Passat der siebten Generation und die erste Generation des Tiguan.

VW-Chef Martin Winterkorn war am Mittwoch infolge des weltweiten Abgas-Skandals von seinem Posten zurückgetreten. Zum Nachfolger wurde der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller ernannt.

SPD fordert Massenrückruf

Müller kündigte eine umfassende Aufklärung des Abgas-Skandals an. "Meine vordringlichste Aufgabe wird es sein, Vertrauen für den Volkswagen-Konzern zurückzugewinnen - durch schonungslose Aufklärung und maximale Transparenz", sagte er. Darüber hinaus sollen strengere Regeln zur Unternehmensführung beschlossen werden. Wie VW mitteilte, wurden mehrere Manager wegen des Skandals beurlaubt, Namen nannte der Konzern allerdings nicht.

Volkswagen bereitet eine Nachbesserungsaktion für die betroffenen Diesel-Fahrzeuge vor. Sie soll den Besitzer nichts kosten. Das Unternehmen habe sich einen Zeithorizont von wenigen Wochen gesetzt, in dem die Maßnahmen mit einem entsprechenden Zeitkorridor vorgestellt werden sollen, sagte ein Sprecher. Die Autohalter könnten mit den betroffenen Fahrzeugen zunächst einmal fahren und würden dann informiert. Alle würden angeschrieben. Das Vorgehen bei der Beseitigung der Softwarefehler werde für die einzelnen Märkte mit den jeweiligen Behörden abgestimmt. "Das kann eine Rückrufaktion sein, aber auch eine Serviceaktion". Alle VW-Neuwagen, die über die europaweit gültige Euro-6-Norm verfügen, seien nicht von den Manipulationen betroffen. Dazu gehörten unter anderem die aktuellen Modelle des Golf, Passat und Touran.

Als Reaktion auf den Abgasskandal werden die Forderungen an VW immer lauter, die betroffenen Autos so schnell als möglich kostenlos zu reparieren. "VW muss die manipulierten Fahrzeuge in Deutschland sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen und die Manipulation beheben", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol der 'Bild'-Zeitung. Der Konzern müsse verloren gegangenes Vertrauen wieder gutmachen.

Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sind hierzulande mindestens 2,8 Millionen Autos mit manipulierten Abgassystemen unterwegs. Die Inhaber der betroffenen Wagen haben nach Ansicht der Grünen-Politikerin Renate Künast auch in Deutschland ein Recht auf Schadenersatz. "Tatsache ist, dass Kunden ein Auto gekauft haben, das die zugesicherten Eigenschaften nicht hat", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses den Zeitungen der 'Funke' Mediengruppe. Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) solle nun klären, ob die Autos nachgebessert werden, der Verbraucher eine Kaufpreisermäßigung erhalte oder den Kaufpreis erstattet bekomme. "Darüber hinaus sollte mit Volkswagen geklärt werden, welche Entschädigungsangebote der Konzern den Kunden freiwillig anbieten möchte", sagte Künast.

Der Abgas-Skandal hat inzwischen neben VW und Audi auch die Töchter Skoda und Seat erfasst. Zudem steht die Frage im Raum, ob andere Hersteller ebenfalls getrickst haben könnten. BMW, Daimler, Ford, Opel und Fiat betonten, sich an alle gültigen Vorgaben zu halten.