"Kriegserfahrene Leute, die skrupellos kurzen Prozess machen"

Razzia wegen Clan-Krieg zwischen Remmos und Tschetschenen: GdP-Sprecher erklärt kriminelle Stukturen in Berlin

18. Februar 2021 - 14:09 Uhr

Hintergrund sind gewalttätige Revierkämpfe zwischen den Clans

Mehrere hundert Einsatzkräfte der Polizei sind seit den frühen Morgenstunden in Berlin und Brandenburg im Einsatz, zwei Männer wurden festgenommen. Durchsucht werden mehrere Gebäude, die im Zusammenhang mit dem berüchtigen Remmo-Clan stehen sollen. Hintergrund sind laut Staatsanwaltschaft unter anderem die gewalttätigen Revierkämpfe zwischen Mitgliedern des Clans und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer Herkunft. Wie gefährlich diese Gruppierung wirklich ist und warum sie möglicherweise bald die arabischen Clans in der Rangfolge ablösen, sehen Sie im Video.

Tschetschenen wollen "ein Stück vom Kuchen" abhaben

18.02.2021, Berlin: Ein Mann wird bei einer Razzia, mit einer Decke über dem Kopf, von der Polizei abgeführt. Mit einer Großrazzia ist die Polizei am Donnerstag gegen Clankriminalität in Berlin und Umgebung vorgegangen. Foto: Christophe Gateau/dpa -
Zwei Männer wurden im Zuge der Razzien festgenommen.
© dpa, Christophe Gateau, cgt wst

Im November 2020 überfiel eine Gruppe Tschetschenen mit Schlagstöcken und Messern ein Kiosk des Remmo-Clans in Neukölln. Noch am gleichen Abend und am nächsten Tag prügelten Männer am Bahnhof Gesundbrunnen im Norden Berlins auf Männer aus der tschetschenisch-russischen Szene ein. Der Konflikt zwischen den rivalisierenden Gruppierungen spitzt sich seit Jahren zu.

"Die tschetschenischen Gruppen sind schon seit Jahren aktiv in Berlin. Man hat sich aber jahrelang so ein bisschen auf das Söldner-Dasein fokussiert. Das heißt, wenn man irgendjemanden zur Schutzgelderpressung wollte, dann hat man die Dienste der Tschetschenen genommen, weil es teilweise sehr kriegserfahrene und kampferprobte Leute sind und die relativ skrupellos kurzen Prozess machen", erzählt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im RTL-Interview. Die Tschetschenen wollen nun aber selbst ein "Stück vom Kuchen" abhaben, so Jendro.

"Man sieht eine gewisse Verunsicherung in der Szene"

Monatelang wurden laut dem GdP-Sprecher Ermittlungen gegen den Remmo-Clan geführt. Bei den Razzien heute wird vor allem nach Laptops, Waffen, Bargeld, Drogen und gestohlenen Gütern von Raubzügen gesucht.

Eine Maßnahme, die die Clanstrukturen aufbrechen soll. Mit ersten Erfolgen: "Man sieht schon eine gewisse Verunsicherung in der Szene. Das spürt man daran, dass versucht wird auch in Geschäftsfelder, in Immobilien zu investieren, die außerhalb von Berlin sind, auch gar nicht unbedingt im Epizentrum Neukölln", so Jendro.

"Sie sehen es natürlich auch auf Basis der gewalttätigen Auseinandersetzungen, wo man sieht: Vielleicht können wir auch die Rangordnung hier ein bisschen verändern und deshalb ist auch diese Nadelstichpolitik der ständigen Durchsuchungsmaßnahmen extrem wichtig."

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