Razzia gegen illegalen Böller-Handel: Tausende "Polen-Böller" sichergestellt

07. Dezember 2018 - 23:34 Uhr

57 Festnahmen bei Razzia wegen illegaler Böller

Über das Internet soll eine organisierte Gruppe europaweit mit illegalen Böllern gehandelt haben, auch aus Deutschland wurde das Feuerwerk fleißig bestellt. Jetzt haben Ermittler der Szene zumindest einen kleinen Schlag versetzt. Wie gefährlich die "Polen-Böller" sind, sehen Sie im Video.

53 Wohnungen und Sprengstofflager allein in Deutschland durchsucht

Die Bilder aus Bad Berleburg im Siegerland wirken wie ein vorgezogenes Silvesterfeuerwerk. Es knallt, Funken schlagen und eine Rauchsäule steigt auf. Allerdings ist alles abgesperrt. Zahlreiche Polizisten beobachten die Böllerei aus sicherer Entfernung: Hier wird beschlagnahmter Sprengstoff kontrolliert gesprengt - das bunte Spektakel ist das Ergebnis einer großangelegten Razzia gegen den illegalen Handel mit gefährlichen Feuerwerkskörpern.

Allein in Deutschland wurden bei der Aktion 53 Wohnungen und Sprengstofflager durchsucht, wie die Kölner Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Europaweit wurden demnach 57 Verdächtige festgenommen - wie viele davon in Deutschland, konnte ein Sprecher nicht sagen.

Ein Onlineshop für Pyrotechnik in Polen hatte den Verdacht der Ermittler geweckt. Dort sollen die aus dem gesamten Bundesgebiet stammenden Beschuldigten Feuerwerk der höchsten Gefahrenklassen gekauft haben, ohne allerdings eine Erlaubnis dafür zu haben. Die Fahnder beschlagnahmten insgesamt gut 27.000 Feuerwerkskörper mit 315 Kilogramm Sprengstoffmasse. Auch Stich- und Schusswaffen sowie Drogen wurden sichergestellt. 

Ermittler: Die Böller sind "absolut lebensgefährlich"

Besonders riskant wurde es in Bad Berleburg. Vor den kontrollierten Sprengungen mussten dort sieben Mehrfamilienhäuser sicherheitshalber evakuiert werden, weil im Nachbargebäude gefährlicher Sprengstoff gefunden worden war. Ein Transport war nicht möglich, also jagten Experten die Böller gleich am Ort in die Luft.

Auf dem Weg zu Käufern fingen die Ermittler 74 Pakete mit gefährlichen Böllern ab. Der Inhalt sei "absolut lebensgefährlich", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Die Käufer wissen gar nicht, auf was sie da sitzen."

​Prinzipiell raten Experten vom Feuerwerkskauf im Ausland ab, nicht nur wegen möglicher fataler Sprengwirkungen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) kann ein nicht zugelassener Knallkörper je nach Größe die gesamte Hand wegreißen.

Am Freitag hatte ein Zehnjähriger Junge ein Schulklo mit einem "Polen-Böller" gesprengt.