Razzia gegen Hells Angels - fünf Polizisten suspendiert

Nach einer Großrazzia gegen die Rockergruppe Hells Angels wurden auch fünf Polizisten suspendiert.
Nach einer Großrazzia gegen die Rockergruppe Hells Angels wurden auch fünf Polizisten suspendiert.
© dpa, Ronald Wittek

11. Dezember 2010 - 9:38 Uhr

Interne Informationen an die Rocker verkauft?

Nach einer Großrazzia gegen die Rockergruppe Hells Angels sind fünf hessische Polizisten vom Dienst suspendiert worden. Das teilten das Landeskriminalamt sowie die Staatsanwaltschaften Frankfurt und Darmstadt mit.

Die Polizisten stehen im Verdacht, interne Informationen an die Rocker verkauft zu haben und teilweise am Drogenhandel beteiligt gewesen zu sein. Der Einfluss der Rocker reicht dabei offenbar bis weit nach oben. Ein hochrangiger LKA-Beamter (50) soll für rund 10 000 Euro Polizeiinterna verkauft haben. Auch ein Frankfurter Beamtenpaar (36 und 33) steht unter Verdacht. Eine 34 Jahre alte Kollegin war bereits am Donnerstag festgenommen worden. Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt hat sie schon zugegeben, dem fünften Suspendierten (51) Drogen verkauft zu haben. Informantin soll sie aber nicht gewesen sein.

"Solche Dinge führen immer dazu, dass das Vertrauen in die Polizei erschüttert wird", sagt Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU): "Das haben wir so noch nicht erlebt." Es müsse jetzt noch mehr Prävention geleistet werden, um so etwas zu verhindern. Doch der Minister weiß auch: "Das wird niemals auszuschließen sein."

Hinweise hatten Polizei und Staatsanwaltschaft schon vor Monaten bekommen, dass die Hells Angels im Rhein-Main-Gebiet gezielt versuchten, Kontakte zu Beamten herzustellen und für ihre Zwecke zu nutzen. Eine Großrazzia Ende November sei der erste Schlag in diesem Zusammenhang gewesen, sagte Rhein. Nun legten die Behörden mit 1.100 Mann nach, darunter allein 500 Spezialkräfte. Seit ein Hells Angel im März bei einer Durchsuchung einen Polizisten erschossen hatte, rücken die Beamten nur noch im großen Verbund aus. Insgesamt durchsuchten sie am Freitag 27 Wohnungen und Büros.

Dabei ging es aber nicht nur um die Enttarnung der Maulwürfe. In Frankfurt wurde unter anderem die Wohnung des dortigen Hells-Angels-Chefs durchsucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil im Oktober 2009 ein Hells-Angels-Mitglied in Usingen im Taunus auf offener Straße angeschossen worden war. Wahrscheinlich von einem anderen Mitglied und aus einem fahrenden Auto heraus. Es geht auch um Drogenhandel. In einer Wohnung stellten die Beamten Betäubungsmittel und 42.000 Euro Bargeld sicher. Auch gegen einen Wiesbadener Gastwirt wird wegen Waffenhandels ermittelt.

"Wir wollen die Strukturen kennenlernen", sagt Rhein. Dazu seien die beiden Großrazzien ein wichtiger Schritt gewesen. Auch ein Versuch, die Hells Angels verbieten zu lassen, ist offenbar noch nicht vom Tisch. Zuerst wolle der Minister aber die weiteren Ermittlungen abwarten. Das Auffliegen der Informanten zeige indes, dass man sensibilisiert und alarmiert sei. Die Weitergabe von Informationen kann mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Rhein betonte: "Da wird es keine Rücksicht geben."