Razzia bei illegalem Filme-Portal

Bei einer bundesweiten Razzia stand das illegale Film-Portal 'kino.to' im Fokus der Ermittlungen. Der Verdacht: Verbreitung von Raubkopien.
© dpa, Tobias Kleinschmidt

09. Juni 2011 - 16:15 Uhr

"Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung“

Die Webseite 'kino.to' ist offline. Rund vier Millionen User haben die Seite täglich genutzt. Nun wurde dieser Datenfluss abrupt beendet: Bei einer bundesweiten Razzia sind am Mittwoch wegen des Verdachts der illegalen Verbreitung von Spielfilmen rund 20 Wohnungen und Geschäftsräume der Website durchsucht worden. Von den 21 Beschuldigten sind 12 in Untersuchungshaft.

Der Verdacht lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen, so der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein. Über 'kino.to' werden nach Angaben der Ermittler Raubkopien von Spielfilmen und Serien illegal verbreitet. Das Portal listet dabei Links auf Filmeanbieter auf.

Unter den Beschuldigten seien sowohl Betreiber der Website 'kino.to' als auch - zum Teil mit diesen identisch - Personen, die beschuldigt werden, als sogenannte Streaming-Hoster illegale Kopien von Filmen für Internet-Nutzer bereitgestellt zu haben. "Wir beginnen jetzt mit Vernehmungen der Beschuldigten", sagte der Staatsanwalt. Außerdem wird das Beweismaterial ausgewertet, darunter auch mehrere beschlagnahmte Server.

Außer in Leipzig waren auch Wohnungen, Geschäftsräume und Rechenzentren in Zwickau, Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Nürnberg und München durchsucht worden. Die Beamten der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen ermittelten bereits seit mehreren Monaten. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) und eine Münchener Rechtsanwaltskanzlei hatten Anzeige gegen das Unternehmen gestellt.

Nach Angaben der GVU, die im Auftrag der Filmindustrie Urheberrechtsverletzungen nachweisen soll, beteiligten sich mehr als 250 Polizisten und Steuerfahnder an dem Einsatz. Mehrere sogenannte Streamhoster, bei denen die auf den Portalen verlinkten Raubkopien abgelegt sind, seien von den Behörden vom Netz genommen worden.

Frage nach Strafbarkeit der Nutzer ist unklar

Der Vorwurf ist klar: 'kino.to' stellt seinen Usern Raubkopien zur Verfügung. Mit der Auflistung der Links von Filmeanbietern bestünde eine organisatorische Verbindung zwischen Portal und den Anbietern her, erklärte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Zudem werde durch die Internetadresse 'kino.to', die in Tonga in der Südsee registriert ist, klar, dass der Betreiber Unseriöses vorgehabt habe. Die Server stehen allerdings größtenteils in Europa.

Die Website hatte etwa vier Millionen Nutzer, täglich mehrere hunderttausend. Die Betreiber erzielten entsprechend hohe Einnahmen aus Internet-Werbung. Sowohl der Schaden für die Filmwirtschaft als auch die Gewinne der Hauptbeschuldigten werden auf siebenstellige Euro-Beträge geschätzt.

Ob auch die Nutzer der Seite mit Ermittlungen rechnen müssen, ist bisher unklar. Sprecher Klein sagte, dies würde später noch geklärt. Da es bislang kein Urteil zur Nutzung von urheberrechtlich geschützten Streaming-Inhalten gibt, gilt dies als rechtlich umstritten. Beim Streaming wird ein Film oder ein Musikstück im Internet übertragen, ohne dass wie beim Download die entsprechende Datei gespeichert wird. Allerdings werden auch beim Streaming Daten im Arbeitsspeicher abgelegt.