Raucher auf dem Rückzug: Nichtraucherhaus in Halle geplant

02. Juni 2014 - 20:24 Uhr

"Das ganze Haus ist rauchfrei"

Deutschland, einig (Nicht-)Raucherland. Die Rückzugsgebiete für Raucher werden hierzulande immer weniger. In Halle an der Saale baut eine Wohnungsbaugesellschaft jetzt das erste komplett rauchfreie Mietshaus.

Welt-Nichtrauchertag, Nichtraucherschutzgesetz, Rauchen
Stein des Anstoßes: So soll das geplante Nichtraucherhaus in Halle an der Saale mal aussehen.

"Das ganze Haus ist rauchfrei. Egal, ob in Gemeinschaftsräumen oder auf dem Grundstück", sagt Siegfried Ermer. Einzige Ausnahme: Ein kleiner, überdachter Bereich auf dem Grundstück, in dem noch geraucht werden darf. Diese Ecke ist nach Angaben von Ermer aber speziell ausgewiesen. Er ist Vorsitzender der Nichtraucherorganisation 'Pro-Rauchfrei', die hinter der Initiative in Halle steckt.

Noch vor dem ersten Spatenstich gibt es laut den Initiatoren mehr Bewerber als Wohnungen. Wer sich den Vorgaben widersetzt und beispielsweise auf seinem Balkon raucht, dem droht dann die Kündigung. Mietrechtexperten bezweifeln jedoch, dass das nach jetziger Rechtsprechung überhaupt durchsetzbar ist.

"Der Vermieter kann von seinem Mieter verlangen, dass er in Teilen des Hauses nicht raucht, die allen Mietern zugänglich sind", sagt der Fachanwalt für Mietrecht Michael Mohr. Diese Vorgabe könne jedoch nicht für die Räumlichkeiten gelten, die nur dem einzelnen Mieter zugänglich sind, so Mohr weiter.

"Eine Erhöhung um mindestens 30 Prozent ist sinnvoll"

Der Vorstoß in Halle zeigt, dass es mit Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes immer enger wird für Raucher in Deutschland. Um den Griff zum Glimmstengel noch schwerer zu machen, fordern Gesundheitsschützer zudem eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer. "Das ist erwiesenermaßen der effizienteste Hebel. Eine Erhöhung um mindestens 30 Prozent ist sinnvoll", sagte Ökonom Tobias Effertz anlässlich des heutigen Welt-Nichtrauchertages.

Dies würde einem Packungspreis von sechs bis sieben Euro entsprechen. Tabakfeinschnitt zum Selberdrehen sollte zudem endlich ebenso hoch besteuert werden wie Filterzigaretten, forderten Deutsche Krebshilfe und das Aktionsbündnis Nichtrauchen gemeinsam.

"Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Tabakkonsum in Deutschland vor allem in den Jahren drastisch sank, als die Zigarettensteuer stark erhöht wurde", berichtete Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Wurden 2002 hierzulande noch über 145 Milliarden Fertigzigaretten geraucht, waren es 2005 nur noch knapp 96 Milliarden.

Im gleichen Zeitraum stieg die Steuer pro Zigarette von 9 auf 13 Cent. In den Jahren danach setzte sich der Rückgang fort - allerdings abgeschwächt. Vor allem unter den Jugendlichen, von denen 2011 nur noch knapp zwölf Prozent rauchten, greifen mittlerweile wieder mehr zur Zigarette.

Das Rauchen erhöhe keinesfalls nur das Risiko für Lungenkrebs, sondern auch für weitere Krebsarten, betonte Krebshilfe-Geschäftsführer Gerd Nettekoven. Über 100.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich an den Folgen des Rauchens und 3.300 weitere, weil sie passiv mitrauchen.