Ratingagentur Standard & Poor's stuft neun Euroländer ab

10. Februar 2016 - 12:33 Uhr

Frankreich verliert Top-Bonität

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) unterstellt gleich neun Euroländern eine schlechtere Kreditwürdigkeit. Nachdem bereits die Abstufung von Frankreich offiziell geworden war, senkte S&P auch Österreich auf die zweitbeste Note 'AA+'. Die Abstufung dürfte es den Ländern somit schwerer und teurer machen, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Frankreichs Bonität herabgestuft.
Keine guten Aussichten für Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy: Wegen der Herabstufung wird es für Frankreich teurer, frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen.
© dpa, Rolf Haid

Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal und Zypern ging gleich um zwei Stufen in den Keller. Malta, die Slowakei und Slowenien büßten eine Stufe ein. Deutschland behielt indes sein Spitzenrating von 'AAA', sogar mit stabilem Ausblick. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte dies jedoch auch dazu führen, dass Deutschland einen noch höheren Beitrag zur Euro-Rettung zahlen müsse.

Von einer Katastrophe sprach Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin dennoch nicht. "Es sind nicht die Ratingagenturen, die Frankreichs Politik diktieren." Dennoch gilt dies als problematisch, weil die Herabstufung der Bonität der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft auch Auswirkungen auf den Rettungsfonds EFSF für Krisenstaaten haben könnte.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagierte gelassen auf die Herabstufungen: "Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen", sagte er RTL.

Gerade war Hoffnung aufgekommen

Auch die französische Budgetministerin Valérie Pécresse bemühte sich um beruhigende Worte. "Frankreich ist ein sicherer Wert, es kann seine Schulden zurückzahlen und das Defizit hat sich zuletzt besser entwickelt als erwartet", sagte sie dem Fernsehsender BFMTV. Spitzenvertreter der französischen Regierung trafen sich indes zu Beratungen im Elyséepalast.

Frankreich steht wegen seines hohen Staatsdefizits seit Monaten unter erheblichem Druck der Märkte. Angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage musste die Regierung innerhalb weniger Monate zwei Sparprogramme ankündigen, um die Ziele beim Schuldenabbau einhalten zu können. Nach Angaben aus dem französischen Wirtschaftsministerium dürfte die Herabstufung dem Land Mehrkosten von zwei Milliarden Euro pro Jahr bescheren.

Dabei war gerade Hoffnung für den Euro aufgekommen. Die Sorgenländer Italien und Spanien hatten den ersten Härtetest des Jahres 2012 bestanden und sich am Donnerstag zu günstigeren Konditionen Geld leihen können als zuletzt. Spanien schlug Staatsanleihen für zehn Milliarden Euro los, rund doppelt so viel wie geplant. Die Zinsen, die das hoch verschuldete Land den Anlegern bieten musste, waren dabei zum Teil nicht mehr so hoch wie zuletzt.

Das hoch verschuldete Italien hatte am Freitagmorgen auch den zweiten Test am Kapitalmarkt bestanden - allerdings nicht mehr ganz so souverän wie am Vortag. Rom beschaffte sich wie geplant insgesamt 4,75 Milliarden Euro. Die Konditionen waren erneut spürbar günstiger als noch Ende Dezember.