Justin Trudeau schminkte sich das Gesicht schwarz

Rassistisch? Foto bringt kanadischen Premierminister in Bedrängnis

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19. September 2019 - 22:44 Uhr

Justin Trudeau muss sich Rassismusvorwürfen stellen

Kann dieses Foto den kanadischen Premierminister sein Amt kosten? Das "Time Magazine" veröffentlichte das Bild von 2001, das Justin Trudeau auf einem Kostümball mit dem Titel "Arabische Nächte" zeigt. Es zeigt ihn mit schwarz geschminktem Gesicht und Turban. Laut dem Sender BBC tauchten danach weitere Bilder auf, die den Premier mit dunkel angemaltem Gesicht zeigen. Trudeau versprach Offenheit und Toleranz, als er als kanadischer Premierminister antrat. Jetzt muss er sich Rassismusvorwürfen stellen und das ausgerechnet im Wahlkampf.

„Jetzt erkenne ich, dass es etwas Rassistisches war“

Justin Trudeau, Premierminister von Kanada
Trudeau entschuldigte sich bei einer Pressekonferenz für das dunkel geschminkte Gesicht.
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In Kanada wird am 21. Oktober gewählt. Trudeau reagierte umgehend und entschuldigte sich. "Ich habe mir ein Aladdin-Kostüm angezogen und Make-up aufgetragen", sagte er bei einer eilig angesetzten Pressekonferenz an Bord eines Flugzeuges. "Ich hätte das nicht tun sollen. Ich hätte es besser wissen sollen, aber das habe ich nicht. Es tut mir wirklich leid."

Er fügte hinzu: "Es war etwas, von dem ich damals nicht dachte, dass es rassistisch wäre, aber jetzt erkenne ich, dass es etwas Rassistisches war." Er werde weiter daran arbeiten, Intoleranz und Diskriminierung zu bekämpfen, auch wenn er in der Vergangenheit offensichtlich einen Fehler gemacht habe. Zum Zeitpunkt der Aufnahme vor fast 20 Jahren war Trudeau 29 Jahre alt. Das Bild war laut "Time Magazine" im Jahrbuch einer Privatschule in Vancouver veröffentlicht worden, in der Trudeau damals gelehrt hatte.

Nachdem weitere Fotos auftauchten, räumte Trudeau ein, dass er sich nicht erinnern könne, wie oft er sich das Gesicht schwarz angemalt hätte. "Ich bin vorsichtig damit, definitive Angaben zu machen, denn an die letzten Fotos, die veröffentlicht wurden, konnte ich mich gar nicht erinnern", sagte er laut BBC vor Reportern in Winnipeg.

Ist Trudeau ist nicht mehr in der Lage Kanada zu regieren?

Der Wahlkampf in Kanda läuft seit einer guten Woche. Umfragen zufolge liegen Trudeaus Liberale und die Konservativen seines schärfsten Konkurrenten Andrew Scheer trotz boomender Wirtschaft und niedriger Arbeitslosenquote eng beieinander, letzte Umfragen hatten Trudeau aber leicht im Aufwind gezeigt.

Sein Konkurrent Scheer zeigte sich "schockiert und enttäuscht" von Trudeaus "offenem Akt von Rassismus". "Was die Kanadier heute Abend gesehen haben, ist jemand mit einem völligen Mangel an Urteilsvermögen und Integrität, jemand, der nicht in der Lage ist, dieses Land zu regieren." Auch von Jagmeet Singh, dem Vorsitzenden der Partei "Neue Demokratie" und Angehörigem der Religionsgruppe der Sikh, kam scharfe Kritik. Er sprach von einer "Beleidigung".

Unter Trudeaus Stammwählern sind viele Kanadier mit Migrationshintergrund

Justin Trudeau im Wahlkampf
Viele Kanadier mit einem Migrationshintergrund aus dem Nahen Osten oder Südasien gehören zum Wählerstamm von Justin Trudeaus Partei.
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Trudeaus Image hatte bereits in den vergangenen Monaten angesichts eines Skandals um Ermittlungen gegen die kanadische Firma SNC-Lavalin gelitten. Dieser wurde vorgeworfen, Schmiergeld für Geschäfte in Libyen bezahlt zu haben. Premier Trudeau wird beschuldigt, dass er Ermittlungen seiner damaligen Justizministerin gegen das Unternehmen habe unterdrücken wollen. Mitte August kam eine Ethik-Kommission zu dem Schluss, der 47-Jährige habe sich falsch verhalten.

Wie sich die Affäre um das Foto nun auf den Wahlkampf der Liberalen auswirkt, bleibt abzuwarten. Viele Kanadier mit einem Migrationshintergrund aus dem Nahen Osten oder Südasien gehören zum Wählerstamm der Partei, gerade in der Region um die Metropole Toronto. Der Ministerpräsident entschuldigte sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch bei Vertretern von Minderheiten und bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Viele seiner Wähler zu Hause hatte Trudeau aber auch schon vergangenes Jahr irritiert, als er zusammen mit seiner Familie bei einem Besuch in Indien traditionelle Gewänder anlegte und an religiösen Veranstaltungen teilnahm. Auf viele Kanadier wirkte der Ministerpräsident damals schon wie der Gast auf einer Kostümparty, es hagelte Kritik.


Quelle: DPA, RTL.de