Als Solidaritätsaktion für Hersteller

Schweizer Restaurant verschenkt „Mohrenköpfe“

Für Schaumküsse wie diese verwenden immer noch viele eine rassistische Bezeichnung.
© iStockphoto

17. Juni 2020 - 10:19 Uhr

Rassistischer Produktname wird heftig kritisiert

Während die "Black Lives Matter"-Bewegung auch im deutschsprachigen Raum viele Menschen dazu bringt, ihre Ansichten über Rassismus kritisch in Frage zu stellen, sind andere davon noch weit entfernt: Im Schweizer Restaurant Freihof in Gossau (St. Gallen) verschenkt ein Restaurant an jeden Gast einen "Mohrenkopf". Was dem Geschäftsführer zufolge als Solidaritätsaktion für den Hersteller der Süßigkeit gemeint war und bei den meisten Gästen super ankam, sorgte an anderer Stelle für heftige Kritik.

„Dunkelhäutige“ Mitarbeiter „finden es eine tolle Sache“

Der Hintergrund für die Aktion: Die Schweizer Handelskette Migros nahm kürzlich die "Mohrenköpfe" vom Hersteller Dubler aus dem Sortiment und reagierte damit auf langjährige Kritik an der rassistischen Bezeichnung des Produkts. Victor Ledergerber, Geschäftsführer der Freihof AG Brauerei und Hofstube in Gossau, entschied sich deshalb laut der Zeitung "20 Minuten", an jeden Gast des Restaurants einen Gratis-Schaumkuss zu verteilen.

"Mit dieser Solidaritätsaktion wollen wir uns bei den zahlreichen Gästen fürs Wiedererscheinen nach der Corona-Krise bedanken und der Firma Dubler helfen", rechtfertigt er die Aktion im Gespräch mit der Zeitung. Er habe sie im Vorfeld auch mit seinen Mitarbeitern besprochen, zu denen auch "zehn dunkelhäutige Personen" gehörten: "Alle finden es eine tolle Sache."

„Man denkt sich überhaupt nichts Böses“

Bis auf zwei Rassismus-Vorwürfe, von denen Ledergerber berichtet, scheinen auch die Gäste begeistert zu sein: "Wenn ich einen 'Mohrenkopf' esse, denke ich nicht an einen Schwarzen. Für mich ist das etwas Süßes aus meiner Kindheit und man denkt sich überhaupt nichts Böses", so Gast Hans Züst zu "20 Minuten". Die Facebook-Ankündigung des Unternehmens erntete ebenfalls nur positive Kommentare: "Hut ab! Starke Aktion!" oder "Klares Statement. Danke!" ist etwa darunter zu lesen.

Bar verteilte umstrittene Süßigkeit ebenfalls

Das Restaurant Freihof ist jedoch nicht allein mit seiner Idee: Auch die Vertigo Bar in Uznach (St. Gallen) startete eine Aktion mit der umstrittenen Süßware. "Zu jedem Negroni ein Gratis-'Mohrenkopf'", warb die Bar auf Instagram. Hier hagelte es für den Besitzer Mario Gehr laut "20 Minuten" deutlich mehr negative Kommentare: "Mit einer solchen Reaktion habe ich nicht gerechnet. Ich habe viele beleidigende Kommentare erhalten und wurde sogar als Rassist und Hurensohn bezeichnet."

„Das ist einfach rassistisch“

Auch Gehr sieht an seinem Vorgehen nichts Verwerfliches: Er habe sich nur solidarisch mit dem Hersteller Dubler zeigen wollen. "Die ganze Diskussion über den 'Mohrenkopf' lenkt vom wirklich relevanten Rassismusproblem ab, das gelöst werden muss." Eine Leser-Reporterin von "20 Minuten" sieht das wie viele weitere User ganz anders: "Das ist einfach rassistisch, wenn man genau den Negroni dafür aussucht. Ich finde einfach, dass man nicht unnötig andere Menschen noch mit so was verletzen muss." Die 29-Jährige sei nach ihrer Kritik auf dem Instagram-Account der Vertigo Bar blockiert worden.

Inzwischen ist der Beitrag auf der Seite nicht mehr zu finden – aber nicht, weil Gehr die Aktion bereut, sondern weil sie zeitlich begrenzt war. "Ich habe sicherlich nicht aus rassistischen Motiven gehandelt. Bei uns ist jeder Gast herzlich willkommen", so Gehr.

Im Video: Influencer heucheln Solidarität auf "Black Lives Matter"-Demos