Kann man das mit Tradition rechtfertigen?

Rassismus-Debatte: Bäcker Mohr verteidigt Firmen-Logo

Auch um den Schokokuss gibt es viele Diskussionen.
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08. Oktober 2020 - 13:13 Uhr

Rassismus-Debatte im Schwabenland

Das Logo der Landbäckerei Mohr aus dem schwäbischen Hochdorf ziert eine überzeichnete Karikatur eines schwarzen Kopfes. Zusammen mit dem Namen hat das eine Rassismus-Debatte in dem kleinen Ort angezündet.

Muss dieses Logo wirklich sein?

Teresa Heinzelmann sei das Logo der Landbäckerei während eines Spaziergangs aufgefallen. "Es zeigt das grinsende Gesicht eines Schwarzen über einer Brezel, ganz im Kolonial-Stil mit karikaturartigen Zügen, womit sich die Bäckerei auf den alten Begriff des Mohr bezieht", sagt Teresa Heinzelmann gegenüber der "Schwäbischen".

"Als Weiße mit der Hautfarbe von Schwarzen zu werben, geht heute einfach gar nicht", erklärt die Studentin. Es sei nicht das einzige Beispiel von Rassismus im Alltag. Noch immer berufen sich viele Betriebe auf die Tradition, um damit rassistische Werbelogos und Markennamen zu rechtfertigen. Die bekannte Reismarke "Uncle Ben's" wurde erst vor wenigen Monaten nach Protesten im Netz umbenannt – samt neuem Logo. 

Bäckerei beruft sich auf Tradition

Bäckermeister Florian Mohr sieht keinen Anlass, das Logo zu ändern. "Ich sehe keinen Grund dafür, unser Logo zu ändern, es ist historisch belegt", sagt Mohr laut "Schwäbische". "Das Logo ist bedingt durch unseren Nachnamen. Und für mich ist ein Mohr ein Schwarzer."

Teresa Heinzelmann ist die Doppeldeutigkeit des Namens bewusst: "Das Problem entsteht für mich erst dann, wenn die – weiße – Bäckerei mit der Hautfarbe eines Schwarzen und der karikaturhaften Darstellung spielt und zu Werbezwecken nutzt."

Rassismus im Alltag erkennen und hinterfragen

Für den Nachnamen kann die Bäckersfamilie nichts, doch die Wahl des Logos ließe sich leicht verändern. Das Argument, dass sich viele der ländlichen Bewohner nicht daran stören würden, lässt Heinzelmann nicht gelten. "Ich frage mich: Warum ist es für die Bäckerei so wichtig, mit der Karikatur eines Schwarzen zu werben? Indem sie das Logo ändern, wären sie ein Vorbild für Toleranz in der Region."