“Es regnete Hass”

England ist entsetzt über Rassismus auf den Rängen in Montenegro

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28. März 2019 - 16:11 Uhr

Fünf Tage nach dem Rassismus-Eklat beim DFB-Länderspiel in Wolfsburg ist das EM-Quali-Spiel von England in Montenegro (5:1) von rassistischen Beleidigungen überschattet worden. Mehrere dunkelhäutige englische Nationalspieler sind mit Affenlauten und rassistischen Beleidigungen übergossen worden.

"Ich kann euch nicht hören"

Die üblen Beleidigungen richteten sich gegen Danny Rose, Raheem Sterling, den von Bayern umworbenen Callum Hudson-Udoi und indirekt auch Jadon Sancho von Borussia Dortmund. Sterling gab die beste Antwort auf dem Rasen mit einem Treffer und hinterher mit einem Post auf Twitter.

"Die beste Art, Hater zum Schweigen zu bringen", schrieb der englische Fußball-Stürmerstar bei Twitter neben ein Foto seines "Ich kann euch nicht hören"-Torjubels. Er schob hinterher: "Ja, ich meine Rassisten." Dahinter setzte er den Hashtag: "Bildet euch mal."

Die UEFA ermittelt

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) war mit eigenem Beobachter vor Ort, wurde vom englischen Team umgehend alarmiert und und hat bereits ein Verfahren eröffnet. Laut Disziplinar-Code sieht die UEFA zunächst "mindestens einen Zuschauer-Teilausschluss" vor. Im Wiederholungsfall drohen Spiele in leerem Stadion und Punktabzüge.

Aber wird das etwas ändern? Southgate ist skeptisch. "Du kannst Vereine oder Verbände bestrafen, aber das wird die Einstellung Einzelner nicht ändern", sagte er. "Es ist sehr traurig. Callum ist 18. Er wird nach dem Spiel interviewt, er sollte über seine Freude am Spielen reden, und dann so was."

Keine kritischen Fragen erlaubt

Soccer Football - Euro 2020 Qualifier - Group A - Montenegro v England - Podgorica City Stadium, Podgorica, Montenegro - March 25, 2019  England manager Gareth Southgate during the match             Action Images via Reuters/Carl Recine
Englands Teammanager Gareth Southgate war nach den Vorfällen bestürzt
© Action Images via Reuters, CARL RECINE, saw

Zum Kopfschütteln war auch die Reaktion der Gastgeber. Bei der ersten Frage an Trainer Ljubisa Tumbakovic grätschte ein Pressemann aggressiv dazwischen, er verkündete unter dem Protest der englischen Journalisten: "Niemand hat rassistische Äußerungen gehört. Niemand! Es gab keine."

Der montenegrinische Verband kündigte am Dienstag immerhin an, dass - sollten sich die Vorwürfe bestätigen - "alles unternommen wird, um die unverantwortlichen Individuen zu identifizieren", um sie für Verbandsspiele zu sperren.

Unterdessen betonte Southgate, dass Rassismus kein auf Montenegro begrenztes Problem sei. "Wir haben genau die gleichen Probleme in unserem eigenen Land", sagte der Coach. Die Londoner Polizei und der FC Chelsea hatten im vergangenen Dezember Ermittlungen aufgenommen, nachdem Sterling berichtet hatte, von Zuschauern im Chelsea-Stadion rassistisch beleidigt worden zu sein.