Nach Krawallen in Stuttgart

Randalierer: “Ich habe mich mitreißen lassen und schäme mich!”

09. November 2020 - 19:18 Uhr

Im Video: Randalierer spricht über die Chaos-Nacht

Es waren Szenen, die bundesweit Schlagzeilen machten: In der Nacht zum 21. Juni 2020 kam es zu heftigen Krawallen in der Stuttgarter Innenstadt. Etwa 500 Menschen sollen Schaufenster eingeschlagen, Geschäfte geplündert und Polizisten attackiert haben. Am Dienstag startet der erste öffentliche Prozess gegen einen mutmaßlichen Randalierer. Wir haben mit einem anderen Beteiligten gesprochen, der uns im Video erzählt, warum er auch in dieser Nacht randaliert hat.

18-Jähriger vor Jugendschöffengericht

Am 10. November steht also einer von vielen mutmaßlichen Randalierern vor dem Jugendschöffengericht und muss sich wegen Landfriedensbruchs verantworten. Der 18-Jährige soll in der Chaos-Nacht mit einem massiven Teelicht die Heckscheibe eines Polizeiautos eingeschlagen haben, wie eine Sprecherin des Amtsgerichts mitteilte. Außerdem soll er zwei Seitenscheiben zertrümmert haben. Der Schaden wird auf etwa 3.000 Euro geschätzt. Nun muss sich der Jugendliche wegen Landfriedensbruch vor Gericht verantworten.

In der besagten Nacht soll es sich um Menschen aus der Party- und Eventszene gehandelt haben. Außerdem nahmen auch viele rein zufällig an den Krawallen teil, sie ließen sich mitreißen. Hier erklärt ein Psychologe, was zu so einem Massen-Gewaltausbruch führen kann. 

„Das tut mir leid, ich werde sowas nicht wiederholen“

Marc (24, Name geändert) ist gebürtiger Rumäne und ist seit zwei Jahren in Deutschland. Er lebt in einer WG. Auch seine Mutter ist in Deutschland. Seit zwei Monaten arbeitet er bei einer Fastfoodkette und schämt sich für das, was im Juni passiert ist. "Das tut mir leid, ich werde sowas nicht wiederholen." Eigentlich war er nur in der Stadt mit seinem Kumpel etwas trinken. Später trennten sich die beiden, Marc ging durch die Stadt und bekam durch Zufall mit, wie fremde Leute in ein Geschäft eingebrochen waren, um Sachen zu stehlen. Der 24-Jährige ließ sich in dem Moment mitreißen und ging auch ins Geschäft.

Marc habe bis zu fünf T-Shirts mitgehen lassen. "Ich bin weg und habe mich erschrocken und habe dann alle weggeworfen auf der Straße. Ich bin weggerannt zur Haltestelle und dann nach Hause", beschreibt er im RTL-Interview. Für das Gespräch mit RTL hat er sich bereit erklärt, weil er anderen einen Rat geben möchte: "Damit keiner so etwas macht für ein paar Euros. Deutschland ist anders, hier muss man sich anders benehmen und auch damit rechnen, dafür teuer zu bezahlen."

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Überwachungskamera überführte 24-Jährigen

Die Bilder einer Überwachungskamera haben den 24-Jährigen ein paar Tage später überführt. "Ich dachte mir schon, dass ich gefilmt wurde. Ich war betrunken und konnte das nicht kontrollieren."

Die Polizei durchsuchte Marcs Wohnung, sein Handy und Laptop wurden sichergestellt, er selbst wurde verhaftet. Der 24-Jährige verbrachte zwei Wochen in U-Haft, kam dann frei, nachdem seine Familie etwa 2.500 Euro Kaution gezahlt hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Diebstahls und Beteiligung am Landfriedensbruch gegen ihn. 

Marcs Anwalt vertritt zehn Randalierer, die sich zum Teil noch in Untersuchungshaft befinden. Der 24-Jährige kommt seiner Ansicht nach aus ziemlich geordneten Verhältnissen. Als Auslöser für die Randale sieht Rechtsanwalt Stefan Holoch vor allem Corona-Frust und Langeweile. Seine Strafe schätzt Holoch auf sechs Monate bis ein Jahr auf Bewährung mit entsprechenden Bewährungsauflagen, wie etwa Geldauflagen in monatlichen Raten.