Randale in Hamburg – Polizei befürchtet Ausschreitungen bei neuer Demo

Rote Flora in Hamburg
Um den Erhalt dieses besetzten Kulturzentrums geht es heute bei der Demo im Hamburger Schanzenviertel.
dpa, Pauline Willrodt

Demonstranten gehen für 'Rote Flora' auf die Straße

Hamburg ist einmal mehr in Aufruhr. Es geht um den Erhalt eines linken Kulturzentrums, es geht gegen die Asylpolitik Deutschlands – und es geht auch gegen die Polizei. Heute gibt es im Hamburger Schanzenviertel eine Großdemonstration für die 'Rote Flora'. Schon in der Nacht auf Samstag war es an der Davidwache an der Reeperbahn zu Ausschreitungen gekommen, als etwa 300 Vermummte die Davidwache attackierten und die davor parkenden Polizeiautos demolierten.

Die Polizei rechnet auch heute mit Randale und hat ein Großaufgebot von mehr als 2.000 Beamten aus mehreren Bundesländern zusammengezogen. Sie rechnet damit, dass bis zu 6.000 Menschen durch das Schanzenviertel ziehen. Die Beamten stufen etwa die Hälfte der Teilnehmer als gewaltbereit ein.

Aus Sorge vor Ausschreitungen bei der Demonstration am Nachmittag hat die Polizei die gesamte Innenstadt zum "Gefahrengebiet" erklärt. Zwischen 14.00 und 23.00 Uhr können Beamte dort ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen, in Gewahrsam nehmen und Platzverweise erteilen. Gegen 15.00 Uhr will sich der Demonstrationszug vor der 'Roten Flora' in Bewegung setzen, zwei Kundgebungen sind vorgesehen.

Demo auch für Bleiberecht der Flüchtlinge aus Lampedusa

Der Protest richtet sich gegen eine mögliche Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums, mit der Eigentümer Klausmartin Kretschmer gedroht hat. Außerdem geht es um ein Bleiberecht für Flüchtlinge und die 'Esso-Häuser' an der Reeperbahn. Die Häuser waren in der Nacht zum Sonntag wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Wie an den bisherigen Adventssamstagen wollen auch Unterstützer der Lampedusa-Flüchtlinge demonstrieren, die sich in einer Kirche in St. Pauli aufhalten.

Bei der Randale am Freitagabend waren sieben Streifenwagen so stark beschädigt worden, dass sie abgeschleppt werden mussten, wie die Polizei am Samstagmorgen mitteilte. Die Hintergründe der Ausschreitungen waren zunächst unklar, der Staatsschutz ermittelt. Die Polizei war am Freitagabend mit 150 Beamten ausgerückt, um den Bereich um die Davidwache zu sichern. Die Randalierer zogen daraufhin weiter und verteilten sich in den angrenzenden Straßenzügen. Dort setzten sie Mülltonnen in Brand und warfen die Scheiben einer Sparkassenfiliale ein.