„Dieser unsagbare Verlust ist nicht wieder gut zu machen“

Ramzan (3) ertrank in Gartenteich - Kita-Leiterin bestreitet Schuld vor Gericht

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7. November 2019 - 12:12 Uhr

Prozess gegen Leiterin der Kita Regenbogen im Amtsgericht Sinzig

Im Mai 2017 verschwand der dreijährige Ramzan aus der Kita "Regenbogen" in Bad Breisig und ertrank in einem Gartenteich. Mehr als zwei Jahre danach steht die Leiterin des Kindergartens doch noch vor Gericht. Sie muss sich im Amtsgericht Sinzig wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen verantworten. Sie soll ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sein. Zu Prozessbeginn verlas der Anwalt der Kita-Leiterin eine schriftliche Einlassung: Nichts sei mehr wie es vorher war, sie könne kaum noch arbeiten. "Ich bin aber aus meiner Sicht nicht verantwortlich für Ramzans Tod. Ich habe weder meine Aufsichtsplicht verletzt, noch fahrlässig gehandelt."

Kita-Leiterin: Ramzan war ein "grundsätzlich lebhaftes Kind"

Wie Ramzan unbemerkt den Kindergarten verlassen konnte, wird einer der zentralen Punkte des Prozesses sein. In ihrer Erklärung beschreibt die Angeklagte, dass alle Türen immer vorschriftsmäßig verschlossen gewesen seien. Sie sieht das Problem darin, dass Brandschutztüren bauartbedingt immer offen seien. Während ihre Anwältin die Einlassung verliest, atmet die Angeklagte immer wieder tief und schwer, knetet ihre Hände und presst immer wieder ihre Lippen fest zusammen. Sie wirke extrem angespannt, berichtet RTL-Reporter Karl Wirz aus dem Gerichtssaal.

Die Angeklagte beschreibt, Ramzan habe gemeinsam mit seinem Bruder "sogar fast eine Einzelbetreuung" erhalten, was sie mit den Sprachproblemen der Kinder aus einer tschetschenischen Familie begründet. Ramzan sei ein grundsätzlich lebhaftes Kind gewesen, "der sich nicht an Regeln hielt."

Angeklagte beschreibt den Vormittag, an dem Ramzan starb

Prozess am Amtsgericht Sinzig: Leiterin der Kita "Regenbogen" aus Bad Breisig im Prozess um den Tod des dreijährigen Ramzan
Die Leiterin der Kita "Regenbogen" aus Bad Breisig im Prozess um den Tod des dreijährigen Ramzan
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Am Tag, an dem Ramzan verschwand, seien 83 Kinder in der Kita "Regenbogen" gewesen. Gegen 10:30 Uhr sei es in der Turnhalle laut geworden. "Dann war klar, dass Ramzan fehlte", beschreibt die Angeklagte in ihrer Einlassung. Auch sie selbst habe sich an der Suche - auch außerhalb des Kindergartens - beteiligt. Um 10:43 Uhr habe sie die Verbandsgemeinde informiert und die Polizei machte sich auf die Suche.

Die Angeklagte erklärt schriftlich, sie sei auch auf der Brücke gewesen, die zum Teich führt, in dem Ramzan später gefunden wurde. Sie habe aber nichts gesehen, so die Kita-Leiterin. "Ich wusste noch nicht einmal, dass sich auf dem Nachbargrundstück ein Teich befindet." Sie beschreibt, wie sie Ramzans Vater informierte, der sich an der Suche beteiligte. Als sie gemeinsam noch einmal zum Teich gegangen sein, hätten sie Ramzan gefunden und sie habe noch versucht ihn zu beatmen - vergeblich.

Die Kita-Leiterin betont mehrfach, dass ihr Ramzans Tod unglaublich leidtue und sie nie wieder leben könne wie zuvor. "Trotzdem kann ich nicht verstehen, dass ich heute auf der Anklagebank sitze.