Ramelow besorgt über weitere Entwicklung bei Opel

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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14. Oktober 2021 - 16:43 Uhr

Erfurt (dpa/th) - Die drohende Zerschlagung des Autobauers Opel hat bei den Landesregierungen von Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz Sorgen um die Arbeitsplätze ausgelöst. In einem gemeinsamen Brief an den Chef des Opel-Mutterkonzerns Stellantis, Carlos Tavares verlangten die Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke), Volker Bouffier (CDU) und Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag nähere Informationen und eine Rückkehr zur vertrauensvollen Kommunikation über die aktuelle Situation des Unternehmens und seiner Standorte. "Mit dem gemeinsamen Brief artikulieren wir die Sorgen vieler Menschen an den Opel-Standorten in Deutschland um die Zukunft des Traditionsunternehmens Opel-Deutschland", sagte Ramelow.

In der vergangenen Woche waren Stellantis-Pläne bekannt geworden, die beiden Produktionswerke Rüsselsheim und Eisenach aus der deutschen Einheit Opel Automobile GmbH herauszulösen. Zudem soll wegen des Halbleitermangels das Werk Eisenach für drei Monate geschlossen werden, während in anderen Stellantis-Werken die Produktion aufrechterhalten wird.

"Das Opel-Werk in Eisenach gehört zu den industriellen Ankerpunkten in einem überwiegend von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägten Wirtschaftsstandort", betonte Ramelow. Der Freistaat habe die Entwicklung des Standorts in der Vergangenheit stets unterstützt.

Kommende Woche soll die Zukunft des Werks auch Thema im Landtag werden. Die Regierungsfraktionen sowie die FDP-Gruppe kündigten jeweils eine Aktuelle Stunde an. "Eine Flucht aus der Mitbestimmung von Stellantis oder gar die Zerschlagung von Opel werden wir nicht hinnehmen", sagte Andreas Schubert, wirtschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion in Thüringen. Auch Vertreter von Grünen, SPD und FDP zeigten sich besorgt.

In ihrem Brief an Tavares beklagten Ramelow, Bouffier und Dreyer, es habe keine begleitende Kommunikation mit den Ländern zu den Sachverhalten gegeben. "Von den zuletzt öffentlich kommunizieren Entscheidungen wurden wir als Vertreter der Bundesländer mit Opel-Standorten wenige Minuten vor der Veröffentlichung informiert und insofern überrascht", sagte Ramelow. Die Entscheidungen hätten in der Öffentlichkeit zu Verunsicherung geführt.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war 2017 von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Diese wiederum ist in diesem Jahr mit Fiat-Chrysler zum Stellantis-Konzern mit Sitz in Amsterdam fusioniert. Das Unternehmen ist der viertgrößte Autohersteller der Welt und wird vom früheren PSA-Chef Carlos Tavares geführt. Bei dem harten Sanierungskurs für die einzige deutsche Marke Opel hat die IG Metall einen Kündigungsschutz bis Juli 2025 für die verbliebenen Beschäftigten vereinbart.

Für den 29. Oktober hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt. Die drohende Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen, hatte Opel-Betriebsratschef Uwe Baum am vergangenen Freitag erklärt. Am Mittwoch waren weitere Hinweise auf eine bevorstehende Re-Organisation der Opel GmbH bekannt geworden.

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Quelle: DPA