2018 M10 17 - 11:05 Uhr

Jamal Khashoggi ging in die saudische Botschaft und kam nicht wieder heraus

Was passierte mit Jamal Khashoggi, nachdem er am 2. Oktober die saudische Botschaft in Istanbul betrat? Der Journalist aus Saudi-Arabien wollte dort eigentlich nur Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abholen. Überwachungskameras zeichneten auf, wie er das Gebäude betrat. Seine Verlobte wartete stundenlang vor der Botschaft. Aber er kam nicht wieder heraus – zumindest nicht lebend.

Apple-Watch zeichnete Khashoggis letzte Minuten auf

Verlobte von Jamal Khashuggi
Die Verlobte von Jamal Khashuggi wartete stundenlang vor der Botschaft, doch er kam nicht wieder heraus.
© dpa, Lefteris Pitarakis, LP pil

Die türkischen Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der 59-Jährige von einem extra aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet und zerstückelt wurde, um die Leiche unbemerkt aus dem Gebäude zu schaffen. Es soll sowohl Video- als auch Tonaufnahmen der Tat geben. Offenbar zeichnete die Apple-Watch des Journalisten alles auf, was sich in der Botschaft abspielte.

Das Nachrichtenportal "Middle East Eye" berichtete, dass die Apple-Watch Khashoggis letzte Minuten aufgezeichnet habe. Auf den Aufnahmen seien grauenvolle Schmerzensschreie zu hören. Das Spezialteam soll den 59-Jährigen bei lebendigem Leibe zerstückelt haben, hieß es in dem Bericht. Die Männer hörten dabei anscheinend Musik. Die Schreie hätten erst aufgehört, als jemand dem Opfer eine unbekannte Substanz spritzte. Die ganze grauenhafte Prozedur soll sieben Minuten gedauert haben.

Türkische Ermittler durchsuchen saudische Botschaft

Eingang zur saudischen Botschaft in Istanbul
Was spielte sich hinter den Türen der saudischen Botschaft in Istanbul ab?
© imago/Depo Photos, Kemal Aslan - Depo Photos, imago stock&people

Die türkischen Behörden haben bisher noch keine offizielle Erklärung zu den Ermittlungsergebnissen abgegeben. Am 16. Oktober durchsuchten sie das Konsulat neun Stunden lang und sicherten Beweismaterial. Die Beamten nahmen auch Proben aus dem Garten der Botschaft mit, berichtete die türkische Nachrichtenagentur "Anadolu". Die Zeitung "Sabah" berichtete, das Gelände sei auch mit Hunden abgesucht worden.

Mehrere der Männer, die verdächtigt werden, den unbequemen Journalisten aus dem Weg geschafft zu haben, sollen aus dem direkten Umfeld der saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman stammen. Er und König Salman bestritten in Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump, irgendetwas von einem Mord an Khashoggi zu wissen. Einer der Tatverdächtigen soll ein Gerichtsmediziner sein, der eine hochrangige Position im saudischen Innenministerium bekleidet.

Regimekritischer Dissident

Saudi dissident Jamal Khashoggi speaks at an event hosted by Middle East Monitor in London Britain, September 29, 2018. Picture taken September 29, 2018. Middle East Monitor/Handout via REUTERS.  ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD
Jamal Khashoggi bei einer Veranstaltung in London (September 2018).
© REUTERS, HANDOUT, RUS/PKP

Khashoggi lebte seit über einem Jahr in den USA im Exil und schrieb kritische Artikel über das saudische Regime. Er arbeitete unter anderem als Kolumnist für die "Washington Post". Er wäre am 13. Oktober 60 Jahre alt geworden.