Radmuttern abgeschraubt: Immer wieder gibt es Anschläge auf Krankenwagen

3. Januar 2017 - 13:26 Uhr

Mindestens vier Fälle in Norddeutschland in den letzten Wochen

Wenn Rettungswagen ausrücken geht es um jede Minute, denn oft stehen Menschenleben auf dem Spiel. Darum erscheint es so unglaublich, was gerade in Norddeutschland passiert. Immer wieder verüben Unbekannte Anschläge auf Rettungsfahrzeuge. In mindestens vier Fällen wurden die Radmuttern der Einsatzwagen mutwillig gelockert.

Damit wird nicht nur das Leben der Patienten, sondern auch das der Rettungskräfte und anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet. Wenn sich bei voller Fahrt ein Reifen löst, drohen verheerende Unfälle. In Hamburg waren Rettungskräfte gerade auf dem Weg in eine Lungenklinik, als sich plötzlich ein Zwillingsreifen löste. Das Rad schleuderte in ein entgegenkommendes Auto. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Da wurde nachgeholfen

Der Rettungswagenfahrer konnte Schlimmeres verhindern, weil sich nur ein Rad löste. So gelang es ihm, das Fahrzeug zu bremsen. "Wären beide Reifen abgegangen und das Fahrzeug auf die Achse gefallen, wäre das von den Auswirkungen her ungleich dramatischer gewesen", meint Werner Nölken von der Feuerwehr Hamburg. Der Vorfall ging auch so glimpflich aus, weil das lose Rad das entgegenkommende Auto nur touchierte. Wenn es in die Windschutzscheibe oder gar in eine Fußgängergruppe geflogen wäre, hätte es sicher Verletzte gegeben.

Das war bereits der dritte Vorfall innerhalb weniger Wochen in Hamburg. "Nach bisherigen Ermittlungen kann ausgeschlossen werden, dass sich die Radmuttern aus Versehen gelöst haben, sondern es muss davon ausgegangen werden, dass dort nachgeholfen wurde", erklärte Ulf Wundrack von der Polizei Hamburg.

Reifen werden nun vor jeder Fahrt überprüft

Auch in Kiel schlugen mutwillige Zerstörer zu. An Heiligabend lösten Unbekannte die Radmuttern eines Rettungswagens, während die Sanitäter gerade in einem Haus waren und einen Patienten versorgten. Das Fahrzeug war gerade einmal 15 Minuten unbeobachtet.

Die Polizei ermittelt jetzt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Weil Werkzeug nötig ist, um an den Reifen herumzuschrauben, gehen die Ermittler von geplanten Angriffen aus. Die Rettungskräfte müssen nun vor jeder Fahrt überprüfen, ob mit den Reifen alles in Ordnung ist – auch wenn dadurch wertvolle Zeit verloren geht.