Racheakt im Rockermilieu: Nach Schießerei in Hamburg – 23-Jährige verhaftet

Polizisten stehen neben einem Auto auf dem Millerntorplatz an der Reeperbahn, nachdem Schüsse gefallen waren.
Polizisten stehen neben einem Auto auf dem Millerntorplatz an der Reeperbahn, nachdem Schüsse gefallen waren.
© dpa, Mücahid Güler, hjb chc

04. September 2018 - 21:31 Uhr

Blutige Rache unter Rockerbanden in Hamburg

Eine Woche lang sucht die Hamburger Polizei nach den Tätern, die an der Reeperbahn auf einen 38-jährigen Bentley-Fahrer geschossen haben. Jetzt steht eine junge Frau unter Verdacht, die vor zwei Jahren ebenfalls angeschossen wurde. Es geht um Rocker, aber auch um Rache.

Hells-Angels-Boss befindet sich auf dem Weg der Besserung

In St.Pauli war in der vergangenen Woche ein Boss der Hells Angels in seinem Bentley an einer Kreuzung im Auto angeschossen worden. Opfer Dariusch F. wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Mittlerweile befindet sich der 38-Jährige auf dem Weg der Besserung. Er ist nach wie vor im Krankenhaus und wird von der Polizei bewacht.

Die Hamburger Polizei hat die Hintergründe der Tat nach eigenen Angaben weitgehend aufgeklärt. Denn die Beamten nahmen in der Nacht zum Dienstag eine 23-Jährige unter Tatverdacht fest. Gegen die junge Frau wurde ein Haftbefehl erlassen, und zwar wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Neben der Frau wurden drei Männer festgenommen, sie sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Die 23-Jährige wurde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt - sie muss in Untersuchungshaft bleiben. Zudem stellte die Polizei am Dienstagmorgen auch das Tatfahrzeug sicher, aus dem die Schüsse auf den Boss der Hells Angels abgegeben worden sein sollen. 

Rache wegen versuchter Tötung vor zwei Jahren?

Die Schießerei auf der Reeperbahn war wohl ein persönlicher Racheakt, angezettelt von einem Mitglied der inzwischen aufgelösten Rockergruppe Mongols. Der 28-jährige Rocker sitzt allerdings zurzeit im Knast und soll deshalb seine 23-jährige Lebensgefährtin angestiftet haben, die Sache für ihn zu regeln. Wer tatsächlich auf den Mann im Bentley schoss, ist allerdings noch unklar. "Die Gewalttat ist weitgehend aufgeklärt, aber die Ermittlungen zum Schützen dauern noch an", sagte eine Polizeisprecherin. 

Die 23-Jährige und ihr 28 Jahre alter Lebensgefährte waren im Juni 2016 selbst Opfer eines versuchten Tötungsdelikts geworden. Ein Unbekannter hatte auf das Paar in einem Haus im Stadtteil Schnelsen geschossen und beide schwer verletzt, die Frau sogar lebensgefährlich. Die Polizei vermutete damals, dass die Täter zur Rockergruppe Hells Angels gehören. Aber ob Opfer oder Drahtzieher - das ganze Hamburger Rockermilieu hält dicht und spricht nicht mit der Polizei. Denn in diesen Kreisen gilt es, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Rockerkrieg in Hamburg

Einschusslöcher sind am 29.12.2015 in den Türen eines Taxis auf der Holstenstraße im Hamburger Stadtteil St. Pauli zu sehen. Bei einer Schießerei nahe der Hamburger Reeperbahn war ein Rocker schwer verletzt worden. Das Mitglied des Rockerclubs Mongol
2015 fielen mindestens sieben Schüsse in der Nähe der Reeperbahn auf ein Taxi. Ein Mitglied der Rockergruppe Mongols wurde schwer verletzt. Der Fahrer blieb wie durch ein Wunder unverletzt.
© dpa, Citynewstv

Vor knapp drei Jahren war der Streit zwischen Mongols und Hells Angels eskaliert. Im Oktober 2015 explodierte unter dem Lamborghini des Hamburger Mongols-Anführers eine Handgranate. Bei dem Anschlag im Stadtteil Hoheluft wurde niemand verletzt. Anfang Dezember nahm die Polizei den Mongols-Boss wegen eines Verstoßes gegen Bewährungsauflagen fest. Ende Dezember 2015 schossen Unbekannte auf ein Taxi an der Reeperbahn, in dem drei Mongols saßen. Einer von ihnen wurde durch einen Streifschuss leicht verletzt.

Nur wenige Tage darauf, Anfang Januar 2016, wurde der Mann von zwei Prostituierten in eine Sexfalle gelockt und von mindestens drei Männern in einer Gartenlaube im Stadtteil Horn schwer misshandelt. Nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die Täter Verbindungen zu den Hells Angels. Die Polizei reagierte mit der Gründung einer Sonderkommission. Während der Mongols-Boss im Juni 2016 wegen Waffen- und Drogendelikten vor Gericht stand, geschah der Überfall auf seinen Vize und dessen Freundin in Schnelsen. Die Hamburger Mongols gelten seit mehr als zwei Jahren als aufgelöst. Die Hells Angels sind in Hamburg seit 1983 verboten.