Ein Kapitel ihrer Doktorarbeit war auf Englisch

Französin darf nicht in Kanada bleiben – weil sie angeblich nicht gut genug Französisch spricht

© Facebook, La Fondation de l'Université Laval

8. November 2019 - 18:45 Uhr

Einwanderungsirrsinn in Quebec: Französin Emilie ist den Behörden nicht französisch genug

Behörden-Wahnsinn in Kanada: Die französischsprachige Provinz Quebec hat einer jungen Wissenschaftlerin eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung verweigert – weil ein Kapitel ihrer Doktorarbeit auf Englisch verfasst war. Das berichten kanadische Medien. Die junge Frau spreche offenbar nicht gut genug Französisch, so die offizielle Begründung. Völliger Irrsinn: Emilie Dubois ist Französin, Französisch ist ihre Muttersprache. Jetzt kämpft die 31-Jährige dafür, doch noch in ihrer Wunsch-Heimat Quebec wohnen bleiben zu dürfen.

Emilie Dubois darf nicht in Kanada bleiben – trotz amtlichem Sprachtest

Emilie Dubois ist Französin durch und durch – und den kanadischen Behörden trotzdem nicht französisch genug. Die aufstrebende Wissenschaftlerin kommt 2012 aus ihrem Heimatland Frankreich nach Kanada, will an der Université Laval im Fach Biologie promovieren. Ein französischsprachiges Studium in einer französischsprachigen Provinz. Für eine Muttersprachlerin – und eine begabte Wissenschaftlerin noch dazu – kein Problem: Im Januar 2018 hält Emilie ihre langersehnte Promotions-Urkunde in den Händen.

Seitdem arbeitet sie als wissenschaftliche Grafikerin in Quebec City – mit einem Arbeits-Visum, beschränkt auf drei Jahre. 2021 läuft die Genehmigung aus. Von ihrem Beruf und der kanadischen Lebensweise begeistert, entscheidet sich die 31-Jährige, dauerhaft in Kanada wohnen zu bleiben – und beantragt eine permanente Aufenthaltsgenehmigung.

Dazu nutzt sie ein spezielles Programm der Provinz-Regierung. Die Voraussetzung: Emilie muss nachweisen, dass sie exzellent Französisch spricht. Nichts leichter als das, denkt sich die Muttersprachlerin – und besteht einen amtlichen Sprachtest mit Bravour. So weit, so gut.

Abgelehnt wegen Englisch in der Doktorarbeit: "Es war, als würde die Welt zusammenbrechen"

Quebec, Kanada: Französin Emilie Dubois (31) darf nicht zuwandern - wegen angeblich mangelnder Französisch-Kenntnisse
Im Herzen längst Kanadierin: Weil sie angeblich ihre eigene Muttersprache nicht gut genug beherrsche, darf Französin Emilie Dubois (31) nicht nach Quebec einwandern.
© Twitter, Emilie Dubois (@IMPAKTsci)

Im Dezember 2018 aber der Schock: In einem Brief teilt die Einwanderungs-Behörde Emilie mit, man werde ihren Antrag auf Einwanderung ablehnen müssen. Sie habe ihr Studium nicht ausreichend auf Französisch abgeschlossen – denn ihre Abschlussarbeit über Zell- und Molekularbiologie enthalte fremdsprachige Passagen. Deshalb könne sie die erforderlichen Sprachkenntnisse nicht nachweisen.

Emilie weiß nicht recht, wie ihr geschieht, ob sie lachen oder weinen soll. Die Rede ist von bloß einem einzigen von insgesamt fünf Kapiteln. Den Abschnitt wollte sie schon vor Abgabe der Doktorarbeit in einem renommierten Wissenschafts-Magazin veröffentlichen – also verfasste sie ihn von vornherein auf Englisch. Schließlich sei Englisch die Standardsprache in der internationalen Forschung, sagt sie.

Das ging der Verwaltung in Quebec aber offenbar gegen den Strich. Als die Absage in ihrem Briefkasten landet, fällt Emilie aus allen Wolken. "Es war, als würde die Welt zusammenbrechen", wird sie von der BBC zitiert. Sie lebe seit Jahren in Kanada, sei im Herzen längst Kanadierin. "Ich gehöre nicht mehr nach Frankreich."

Einwanderungs-Behörde räumt ein: "Entscheidung ergibt nicht wirklich Sinn"

Dass ihr Wunsch, in Kanada zu bleiben, einfach so an bürokratischer Dickköpfigkeit zu scheitern droht, will Emilie nicht akzeptieren. Sie wehrt sich gegen die Ablehnung, kämpft mit allen Mitteln, wendet sich direkt an die Regierung. Freunde und Bekannte unterstützen sie.

"Du bist Französin, in Frankreich geboren, gehst auf eine französischsprachige Universität, machst dort alles auf Französisch – und die Behörden lehnen deinen Antrag trotzdem ab, weil du zu schlecht Französisch sprichst?", sagt sie im BBC-Interview. Emilie ist aufgebracht. "Das ist doch Schwachsinn!"

Trotz allem ist Emilie guter Hoffnung, dass sie schlussendlich doch noch in Quebec wohnen bleiben darf. Insbesondere, nachdem jetzt die Medien über ihren Fall berichten, sogar international. Am Donnerstag erst musste das Einwanderungs-Ministerium in Quebec in einer Stellungnahme einräumen: Die Entscheidung, Emilie wegen ihrer Doktorarbeit abzulehnen, ergebe "nicht wirklich Sinn". Man werde sich den Fall noch einmal genauer ansehen.