Das Wochenende des Grauens

Quarantäne-Verweigerer brechen Corona-Regeln bei illegalen Partys und Treffen

18. Januar 2021 - 13:07 Uhr

Die Alternative zu Discos und Bars in der Pandemie

Offenbar wollen viele Menschen die Corona-Regeln noch immer nicht ernst nehmen und lassen es wieder bundesweit krachen. Egal ob illegale Hauspartys oder eine Auto-Szene, die sich zum Dating verabredet – es nimmt kein Ende. Am Wochenende gab es wieder eine Menge Polizeieinsätze wegen vieler Verstöße. In der Dortmunder Innenstadt sind die Beamten verstärkt gegen die Raser-, Poser- und illegale Tuningszene vorgegangen. RTL war bei den Kontrollen dabei. Was die Regelbrecher mit ihrem Auftritt bezwecken wollen – im Video.

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"Besser, als zu Hause rumzusitzen!"

Endlich mal wieder ein paar Menschen sehen, mit Unbekannten flirten oder einfach neue Leute kennenlernen. Was nicht mehr in Discos, Shishabars oder Restaurants geht, soll in Dortmund jetzt von Auto zu Auto funktionieren. "Sind richtig nice Mädels dabei und dann quatschen wir halt mit denen und haben Spaß natürlich mit denen. Besser, als zu Hause rumzusitzen", erklärt uns ein Fahrer im Interview. Aber auch das ist ein Verstoß gegen die Corona-Regeln.

Fast 60 Platzverweise mussten die Beamten bei den Kontrollen aussprechen. Es gab mehr als 180 Verstöße von Rasern gegen die geltenden Geschwindigkeits-Begrenzungen. Außerdem stellte die Polizei mehrere getunte Fahrzeuge sicher. "Der öffentliche Straßenverkehr ist kein Event- und Erlebnisraum. Die Beschwerden der Anwohnerinnen und Anwohner aufgrund der massiven Lärmbelästigungen zeigen uns, dass es noch viel zu tun gibt", betonte die Einsatzleiterin der Dortmunder Polizei, Polizeirätin Stephanie Luzemann.

Frau flieht auf Dach - und stürzt ab

In München musste die Polizei eine illegale Party in der Maxvorstadt auflösen. Mehrere Streifen fuhren nach einem Notruf zu einer Wohnung und trafen dort zwei Frauen und zwei Männer. Die Beamten bemerkten zwei weitere Menschen, die durch ein offenes Fenster aufs Dacht geflüchtet waren. Die 24-Jährige fiel dabei aus etwa vier Metern Höhe auf ein Kiesbett. Alle sechs Party-Teilnehmer wurden wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz angezeigt. Zudem gibt es eine Anzeige wegen Ruhestörung.

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Trotz der strengen Maßnahmen feiern Menschen bundesweit immer wieder Corona-Partys.
Trotz der strengen Maßnahmen feiern Menschen bundesweit immer wieder Corona-Partys.
© iStockphoto

In Hamburg-Wilhelmsburg hatte eine Gruppe offenbar zwei Tage lang gefeiert – mit 30 Menschen. Passanten hatten das Treffen in einer Halle am späten Samstagabend gemeldet, so ein Polizeisprecher. Erst wollte die Partymeute die Tür nicht öffnen, bis die Polizei die Verantwortlichen am Telefon erreichte. In der Halle, in der die Party stattfand, waren Brettspiele und Tischkicker aufgebaut. Gegen alle Beteiligten wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Hochzeit mit 60 Menschen mitten in Berlin

Eine noch größere Party fand in Berlin-Mitte statt. Genauer gesagt: Eine Hochzeit mit 60 Teilnehmern. Ein Anrufer hatte die Gesellschaft in einer Wohnung am Samstagabend der Polizei gemeldet. Die Feier ist wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln aufgelöst worden. "Wir haben die Menschen aufgefordert, sich in ihre Wohnungen zu begeben", sagte ein Sprecher. Es seien alle Personalien sowie 56 Verstöße gegen den Infektionsschutz notiert worden. "Hier haben sich deutlich mehr Menschen getroffen, als nur aus einem fremden Haushalt."

Eine weitere Party – auch hier wieder mit 60 Leuten – löste die Polizei in der Nacht auf Sonntag in Dresden auf. Die große Gruppe hatte sich im Gartenlokal einer Kleingartenanlage versammelt – ohne Maske und ohne Einhaltung der Abstandsregeln. Der Veranstalter hatte zuvor bei Social Media die Leute zu der illegalen Feier eingeladen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Als die Beamten eintrafen, flüchteten einige Gäste sofort. Andere Feiernde widersetzten sich, sodass die Polizei beim Zutritt in das Lokal Pfefferspray einsetzen musste. Schließlich konnten die Beamten die Party beenden. Gegen 49 Partygäste wurde Anzeige wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung erstattet, ein 21-Jähriger muss sich wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Corona-Verstöße in allen Altersgruppen

Auch wenn es den Anschein macht, als würde es immer mehr Corona-Partys und illegale Treffen geben, ist es wohl in der Tat nicht so. Die Mehrheit der Menschen soll sich an die Auflagen gehalten haben. "Trotzdem kam es zum Beispiel vereinzelt zu Geburtstagsfeiern – übrigens in allen Altersgruppen. Die wurden von unseren Kolleginnen und Kollegen natürlich aufgelöst", so Jörg Radek von der Gewerkschaft der Polizei auf RTL-Nachfrage. "Der Schwerpunkt der Arbeit liegt zurzeit tatsächlich darin, die Einhaltung der Pandemievorschriften zu kontrollieren. Aus unserer Sicht eine sinnvolle Maßnahme, denn sie unterstützt den Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger."

Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.
Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.
© deutsche presse agentur

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdP appelliert nun an die Vernunft der Bürger: "Jetzt ist nicht die Zeit, um auf Corona-Parties Extrawürste zu braten. Wir können diese Pandemie nur als Mannschaft besiegen. Einer für alle und alle für einen."

Mehr als 170 Personen feiern Gottesdienst

Am Sonntagabend waren 170 Personen – und einige Kinder unter 14 Jahren – bei einem Gottesdienst in Berlin-Gesundbrunnen. Ein Nachbar hatte die Polizei alarmiert, woraufhin die Polizei in die Jesus-Miracle-Harvest-Church ausrücken musste. Es seien mehr Besucher gekommen, als erwartet und der Pfarrer sei mit der Situation überfordert gewesen. Der Saal war offenbar mit "Happy Birthday"-Bannern geschmückt. Zuvor soll dort eine Geburtstagsparty stattgefunden haben. Die Polizei beendete die Versammlung. Auch hier besteht der Verdacht des Verstoßes gegen die Regeln des Infektionsschutzes.

Die Friseure sind bis zum 31. Januar geschlossen.
Die Friseure sind bis zum 31. Januar geschlossen.
© dpa, Sebastian Gollnow, scg alf dul wst nic

Friseure, die eigentlich derzeit ihrem Job nicht nachgehen können, machen mancherorts illegal weiter. Wie in Schwerte, Nordrhein-Westfalen. Dort entdeckte die Polizei am Freitag in einem Keller 20 Menschen, die sich nicht an die Corona-Regeln gehalten hatten, abgeschnittene Haare und Drogen. Gegen alle Angetroffenen wurden Verfahren wegen Verstößen gegen die Coronaschutzverordnung eingeleitet.

Härteres Vorgehen gegen Quarantäne-Verweigerer

Platzverweise und hohe Geldstrafen schrecken viele Menschen vor illegalen Partys und Treffen offenbar nicht ab. Deswegen planen jetzt mehrere Bundesländer, härter gegen Quarantäne-Verweigerer vorzugehen. Im Extremfall soll es künftig sogar zur Zwangseinweisung in zentrale Stellen kommen, berichtete die "Welt am Sonntag" und verwies auf eigene Recherchen. Bei einem wiederholtem Verstoß oder Weigerung können sie mit einem Richterbeschluss für bestimmte Zeit unter Aufsicht untergebracht werden.

Im Extremfall soll es künftig sogar zur Zwangseinweisung in zentrale Stellen kommen.
Im Extremfall soll es künftig sogar zur Zwangseinweisung in zentrale Stellen kommen.
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Bereits bekannt war, dass Sachsen zeitnah eine Einrichtung für Quarantäne-Verweigerer in Betrieb nehmen will. In Baden-Württemberg werden für uneinsichtige Quarantäne-Verweigerer derzeit Plätze in zwei Kliniken geschaffen. Es handle sich dabei nicht um eine Strafmaßnahme, sondern um eine Maßnahme des Infektionsschutzes. In Schleswig-Holstein ist nach Angaben der "Welt am Sonntag" eine Unterbringung auf dem Gelände der Jugendarrestanstalt Moltsfelde geplant.

Die anderen Länder haben laut Zeitung keine zentralen Einrichtungen. Bayerns Gesundheitsministerium habe mitgeteilt, meist gelinge es, Bürger durch den Hinweis auf "Zwangsabsonderung und Bußgeld" zum Einlenken zu bewegen. Als letztes Mittel blieben Zwangseinweisungen in Kommunen.