Putins Dresden: Fünf Jahre sind prägend für den künftigen starken Mann Russlands

RTL-Nachtjournal-Moderator Maik Meuser im Sommer 2015 vor der Villa in Dresden, in der Putin sein Büro hatte.
RTL-Nachtjournal-Moderator Maik Meuser im Sommer 2015 vor der Villa in Dresden, in der Putin sein Büro hatte.

19. August 2015 - 10:16 Uhr

Deutsches Bier ist ihm lieber als russischer Wodka

Putin ist 32 Jahre alt, als er vom KGB in Dresden stationiert wird. Es ist das Jahr 1985, vier Jahre vom Mauerfall entfernt, aber davon ahnt der junge Geheimdienstagent wie alle anderen nichts. Gemeinsam mit anderen russischen Spitzeln zieht er von seinem Büro in einer alten Villa aus die Fäden, baut ein Netz von deutschen Mitarbeitern aus, macht direkte Kontakte mit der Stasi und ist begeistert vom ostdeutschen Geheimdienst.

Mit fünf anderen KGB-Männern arbeitet Putin hier, nicht weit entfernt von der Stasi-Zentrale. Er lernt schnell die deutsche Sprache, mischt sich unters Volk, macht Kontakte bei deutschem Bier, das ihm lieber ist, als der russische Wodka. Putins Faszination für Deutschland wächst, und das zu einer Zeit, in der in Russland Michail Gorbatschow Glasnost und Perestroika predigt und den Wandel einläutet.

Sein Zimmerkollege beim KGB, Wladimir Usolzew schreibt: "Im Vergleich zum halbstalin'schen Sozialismus in der DDR war unser sich veränderndes Land eine Bastion des freien Denkens". Und Stärke war Putin auch damals schon wichtig. Die knapp fünf Jahre in Deutschland waren prägend für den künftigen starken Mann Russlands, der 1999 als Geheimdienstchef überraschend erst Ministerpräsident und dann noch zum Jahreswechsel zum Präsidenten Russlands aufsteigt.

Stärke war Putin damals schon wichtig

Putins Dresden: Fünf Jahre sind prägend für den künftigen starken Mann Russlands
In diesen Plattenbau am Stadtrand von Dresden zog die Familie Putin 1985. Hier wuchs Tochter Maschenka auf, ihre Schwester Jekaterina wurde dort geboren.

1985 aber ahnt das kaum jemand, vielleicht seine Frau Ludmilla, mit der Putin in eine Plattenbauwohnung am Stadtrand von Dresden zieht. Seine kleine Tochter Maschenka wird hier groß, die zweite Tochter Jekaterina sogar hier geboren. Für die Familie ist es eine gute Zeit, die Zwei-Zimmer-Wohnung ein Fortschritt zum engen Wohnen in der Sowjetunion. Und

Putin verdient gut – 1.800 DDR-Mark sowie 100 US-Dollar. Putin kommt als Hauptmann des KGB nach Dresden. Als er geht ist er bereits in den Rang eines Oberstleutnants geklettert. Eine letzte Mission kurz vor der Rückkehr nach Russland misslingt: Der Spionagering aus ehemaligen Stasi-Spitzeln nach der Wende fliegt auf, weil die zentrale Figur zum Verfassungsschutz überläuft. Trotzdem nimmt Putin wichtige Kontakte und Erfahrungen mit, als er 1990 aus Deutschland abgezogen wird. Von Leningrad aus wird er dann Schritt für Schritt Russland erobern.

Quellen:

- Wladimir Usolzew: "Mein Kollege Putin. Als KGB-Agent in Dresden 1985-1990", (2015, Kopp-Verlag)

- Bill Browder: "Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nummer eins wurde", (2015, Carl Hanser Verlag)

- Masha Gessen: "Der Mann ohne Gesicht. Wladimir Putin. Eine Enthüllung", (2013, Piper Verlag)

- David Crawford, Marcus Bensmann: "Putin in Dresden. Bier, Pornos, Neonazis – und ein Prosit auf die Aufklärung", (Correctiv Bookzine #2, 2015)

- Christiane Kohl: "Spion und Raser" (Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010)