Russischer Präsident hält Rede an die Nation

Putin warnt Westen vor Überschreiten der "roten Linie"

21. April 2021 - 20:05 Uhr

Rede an die Nation

Der russische Präsident Wladimir Putin hat heute seine Rede an die Nation vor Hunderten Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion in Moskau gehalten. Im Fokus stand die schwere soziale und wirtschaftliche Lage Russlands nach Ausbruch der Corona-Pandemie. Erst zum Schluss gab es deutliche Worte in Richtung Westen.

Wirtschaftliche und soziale Lage Russlands

Wer von Putin klare Worte zu den internationalen Krisen erwartet hatte, in die Russland verwickelt ist, musste über eine Stunde warten. Bis dahin redete der russische Präsident über die Corona-Pandemie sowie innenpolitische und wirtschaftliche Fragen:

So soll die russische Bevölkerung nach Angaben von Präsident Putin im Herbst größtenteils immun gegen das Virus sein. Er rief die Bevölkerung auf, sich impfen zu lassen und forderte, dass der Impfstoff flächendeckend in Russland verfügbar sein müsse. Außerdem hat der Kremlchef russischen Familien eine bessere finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

Putin warnt vor Provokationen aus dem Ausland

Die russischen Beziehungen zu den USA, der Europäischen Union und der Nato haben sich zuletzt massiv verschlechtert. In der Kritik sieht sich Russland etwa wegen des Truppenaufmarschs entlang der ukrainischen Grenze oder dem Vorgehen gegen den inzwischen inhaftierten Putin-Kritiker Alexej Nawalny. Erst am Ende der Rede sprach Putin über aktuelle internationale Konflikte, ohne dabei die Ukraine oder Nawalny explizit zu nennen.

Der Kremlchef warnte angesichts der wachsenden Spannungen mit dem Westen vor jeglichen Provokationen aus dem Ausland. Niemand dürfe auf die Idee kommen, Russlands "rote Linie" zu überschreiten. "Organisatoren jedweder Provokationen, die die Kerninteressen unserer Sicherheit bedrohen, werden ihre Taten so bereuen, wie sie lange nichts bereut haben", so Putin. Wo diese Linie im Übrigen verlaufe, werde von Russland in jedem konkreten Fall selbst entschieden.

"Das war deutlich und war offensichtlich Richtung Ukraine gemünzt, wenngleich er das Wort Ukraine überhaupt nicht in den Mund nahm. Ebenso war es auch eine versteckte Warnung an den Westen, sich nicht in diesen Konflikt einzumischen", ordnet RTL-Reporter und Russland-Experte Dirk Emmerich, derzeit in Kiew, die Aussage Putins ein.

Eine Einordnung der Putin-Rede von Dirk Emmerich erhalten Sie im Video.

400 Demonstranten bei Protesten festgenommen

Auch zu Alexej Nawalny äußert sich Putin nicht. "Nicht einmal eine kryptisch-versteckte Botschaft. Putin ist offenbar gewillt, dieses Thema einfach weiter auszusitzen und so zu tun, als ob es einzig und allein ein Fall für die Justiz ist, mit dem er als Präsident nichts zu tun habe", so Dirk Emmerich weiter.

Kurz vor der Putin-Rede wurden zwei Mitarbeiterinnen Nawalnys festgenommen. Nawalnys Team hat in mehr als 160 russischen Städten spontan Proteste angekündigt, weil sich der Gesundheitszustand des 44-Jährigen im Straflager massiv verschlechtert haben soll. Laut des Menschenrechtsportals "ovdinfo.org" sollen dabei 400 Demonstranten festgenommen worden sein.

ARCHIV - 15.02.2021, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Diesen für den Karneval 2021 kreierten Mottowagen stellt der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly für zwei Kundgebungen zur Unterstützung des Kremlkritikers Alexej Nawalny in Düsseldorf zur Verfü
Nawalny-Unterstützer rufen zu Demos auf - Tilly stellt Motivwagen
© dpa, Federico Gambarini, fg exa;ulb

Rauchbomben gegen russisches Konsulat

Auch in Deutschland solidarisierten sich Demonstranten mit Alexej Nawalny. So gingen in Düsseldorf etwa 100 Demonstranten auf die Straße und forderten die Bundesregierung auf, nicht tatenlos zuzuschauen. Unter ihnen war auch der Karnevalist und Wagenbauer Jacques Tilly, der für die Proteste Motivwagen zur Verfügung gestellt hatte.

In Hamburg eskalierte die Situation kurzzeitig, als Unbekannte Rauchbomben auf das Gelände des russischen Generalkonsulats geworfen hatten. Einen Zusammenhang mit den Protesten wollte die Polizei jedoch vorerst nicht bestätigen. Es sei niemand verletzt worden auch keine Beschädigungen festgestellt, teilte die Polizei mit.

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