Pulverfass Thailand: Weitere Explosion erschüttert Bangkok

18. August 2015 - 19:57 Uhr

Heiße Spur nach Sichtung von Überwachungsvideo

Auf der Suche nach den Drahtziehern des schwersten Anschlags in der Geschichte Bangkoks haben Polizei und Militär eine erste heiße Spur verfolgt. Eine Videokamera filmte einen jungen Mann mit Rucksack in der Nähe des Tatorts. Er entfernte sich wenig später ohne Gepäck, wie auf Bildern aus einer Überwachungskamera zu sehen war.

Nach Anschlag in Bangkok: Ist Thailand noch sicher?
Großes Polizeiaufgebot nach Bombenanschlag in Bangkok
© dpa, Diego Azubel

Der Verdächtige trug ein auffälliges gelbes T-Shirt. Er mischte sich am Erawan-Schrein direkt an der wichtigsten Einkaufsmeile Bangkoks unter Dutzende Einheimische und Touristen. Die Bilder waren sehr grobkörnig. Es war mit bloßem Auge nicht zu erkennen, ob es sich um einen Thailänder oder Ausländer handelte. Völlig unklar war auch, ob der Mann tatsächlich etwas mit dem Anschlag zu tun hatte. Bislang hat sich niemand zu der Tat bekannt. Bei dem Anschlag im Zentrum der thailändischen Hauptstadt waren über 20 Menschen ums Leben gekommen und 125 verletzt worden.

Nur einen Tag später gab es an einem belebten Ausflugspier am Fluss Chao Praya einen zweiten Anschlag. Ein Unbekannter habe eine Rohrbombe in die Menge schleudern wollen, sein Ziel aber verfehlt, sagte ein Polizeisprecher. Der Sprengsatz sei im Fluss gelandet und explodiert. "Wir haben einen Knall gehört und eine Wasserfontäne gesehen", berichtete Musikproduzent Sean Carter, der in Bangkok lebt und in der Gegend war. "Ich dachte zuerst, es sei eine Fehlzündung an einem Bootsmotor gewesen." Der Pier ist bei Besuchern beliebt, weil dort Ausflugsboote für Fahrten zu den Touristenattraktionen ablegen. Luxushotels, die am Fluss liegen, holen dort mit kleinen Schiffen ihre Gäste ab.

"Sie wollen unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören"

Die Hintergründe des Anschlags liegen weiter im Dunkeln. Verantwortlich seien "Einzelpersonen oder Gruppen, die die Absicht haben, Thailand zu schaden", sagte Regierungschef Prayuth Chan-ocha in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. "Sie wollen unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören."

"Es ist noch zu früh, um über die Gruppe zu spekulieren, die dafür verantwortlich sein könnte", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Werachon Sukhondhapatak. "Wir rufen alle zur Ruhe auf, damit die Sicherheitskräfte ihre Arbeit machen können." In Bangkok seien 1.160 zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz, sagte Prayuth. Er hatte als Armeechef im Mai 2014 die gewählte Regierung gestürzt. Vorausgegangen waren wochenlange politische Querelen und Demonstrationen. Prayuth ließ sich dann zum Regierungschef ernennen.

Das Auswärtige Amt hatte bereits nach der ersten Bombenexplosion seine Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand aktualisiert. "Reisenden wird empfohlen, besonders vorsichtig zu sein und diese Reisehinweise und die aktuelle Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", mahnte das AA in seinen Hinweisen. "Weitere Anschläge auch in anderen beliebten Feriengebieten können nicht ausgeschlossen werden." Das Amt empfiehlt, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden.