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Psychotricks von Vater Staat: Durch Nudging zum besseren Menschen

Psychotricks von Vater Staat: Durch Nudging zum besseren Menschen

Nudging hilft gegen Müll auf der Straße
Nudging soll Bürger dazu bringen, weniger Müll auf die Straße zu werfen. Motivbild
dpa, Wolfram Kastl

Singende Mülltonnen und Schilder bis zum nächsten Aschenbecher

Jeder weiß, Müll gehört in den Mülleimer, Gemüse ist gesünder als Fastfood und Raserei im Straßenverkehr ist gefährlich. Doch im Alltag gerät das ein oder andere schon mal in Vergessenheit. Anstatt mit strengen Gesetzen auf das Fehlverhalten der Bürger zu reagieren, überlegt sich die Bundesregierung nun eine Alternative. In Berlin hat man sich professionellen Rat geholt, wie man mit kleinen Psychotricks das Verhalten der Bürger verbessern kann.

Wie bringt man Menschen dazu, freiwillig das Richtige zu tun? Das Zauberwort heißt Nudging, was übersetzt so viel wie 'anstupsen' bedeutet. In Großbritannien wird diese Methode schon länger erfolgreich verwendet. Hier lassen sich die Bürger gerne ein bisschen in die richtige Richtung stupsen.

Um die Londoner dazu zu bringen, ihren Abfall nicht einfach auf die Straße zu werfen, hat die Stadt gleich mehrere Nudging-Versuche gestartet. Dazu wurden Mülltonnen installiert, die singen und sprechen, wenn man etwas hineinwirft, es gibt Überwachungskameras, die darum bitten, Müll von der Straße wieder aufzuheben, außerdem weisen aufgeklebte grüne Fußabdrücke den Weg zur nächsten Mülltonne.

15 Prozent weniger Müll landet daneben

Die Ideen scheinen zu funktionieren. Niemand lässt sich gerne maßregeln, aber einer singenden Mülltonne gibt man gerne seinen Abfall. "Alles in allem landete dadurch 15 Prozent weniger Müll auf dem Boden. Bei einigen Tonnen hat sich das Wegwerfverhalten sogar um 46 Prozent verbessert", berichtet Marcela Teran von der Organisation 'Keep Britain Tidy'.

Auch bei Rauchern funktioniert das Nudging, sie lassen weniger Kippen einfach fallen, wenn man sie darauf hinweist, wie weit es noch zum nächsten Aschenbecher ist. Sogar auf der Toilette werden die Briten ein wenig 'angestupst'. Wenn Mann beim Pinkeln einen Knopf im Urinal trifft, startet er damit ein Videospiel – die Reinigungskräfte freuen sich und die öffentlichen Toiletten bleiben länger sauber.

Was bei den Briten längst funktioniert, wollen sich nun auch deutsche Politiker zunutze machen, um die Bürger unbemerkt ein bisschen zu erziehen. Im Kanzleramt gibt es nun die Projektgruppe 'Wirksam regieren'. Ein Psychologe, ein Ökonom und ein Verhaltenswissenschaftler sollen sich ausdenken, wie die Politik uns Bürger zum richtigen Verhalten schubst.

Auch die Deutschen brauchen ein wenig Nachhilfe, glaubt man in Berlin: Wir sparen zu wenig fürs Alter, verbrauchen zu viel Energie und ernähren uns zu ungesund. Die Grünen wollten bessere Ernährung mit einem 'Veggie-Day' erzwingen und mussten dafür ordentlich Proteste einstecken. Gerd Billen vom Verbraucherschutzministerium ist überzeugt: Das hätte man geschickter anstellen müssen. "Indem man jetzt nicht sagt: 'Ihr müsst vegetarisch essen', sondern indem man in Kantinen einfach zunehmend vegetarische Gerichte anbietet", erklärt der Staatsekretär.

Nudging als Steuerungs-Instrument zum bürgerlichen Wohlverhalten – kann das funktionieren? Wer wird schon gerne von seiner Regierung manipuliert? "Ich mach ja sowieso, was ich will", meint ein Passant in Berlin. Das haben die Briten auch gedacht. Aber durch das Nudging hat sich der Abfall, der neben der Tonne landet, deutlich verringert und keiner hat es gemerkt.