Paare aufgepasst!

Psychotherapeut verrät den "Anfang vom Ende": Das sind die größten Ehe-Killer

Ein Ehepaar hat sich nichts mehr zu sagen.
In einer Partnerschaft oder Ehe ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.
(c) Ines Bazdar

von Vera Dünnwald

Die Schmetterlinge flattern nur so vor sich hin, die Sicht ist durchweg rosa und das Strahlen im Gesicht ist kaum noch wegzudenken. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie frisch verliebt sind. Beginnt dann eine neue Beziehung, die vielleicht sogar in einer Ehe mündet, könnten Sie kaum glücklicher sein. Nach einigen Jahren dann jedoch der große Knall: Irgendwie herrscht Flaute. Bin ich eigentlich noch glücklich in meiner Partnerschaft? Schließlich könnte sich mein Mann ja schon mal mehr im Haushalt beteiligen. Und was wenn sie keine Lust mehr auf Sex hat? Der Todesstoß für die Ehe? Psychotherapeut und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger ( „So gelingt die Liebe“*) verrät die größten Alarmsignale, auf die Sie achten sollten.

DAS sind die klassischen Ehe-Killer

Dr. Wolfgang Krüger
Dr. Wolfgang Krüger ist seit über 40 Jahren als tiefenpsychologischer Psychotherapeut tätig und kennt sich mit der Liebe aus.
Privat, Dr. Wolfgang Krüger

Klassische Ehe-Killer – gibt es sowas überhaupt? Schließlich ist doch jeder Mensch individuell und somit auch jede Beziehung. Das kann man doch bestimmt gar nicht so universell festlegen? Oh doch! „Es gibt sogar einige klassische Ehe-Killer. Die, die von Anfang an bestehen, die, die das Vertrauen in einer Beziehung zerstören und die, die einen respektvollen Umgang miteinander verhindern“, sagt Dr. Krüger im RTL-Interview.

Schon vor der Beziehung – beziehungsweise recht weit am Anfang – gibt es die „Killer“, „wo beide Partner ein unterschiedliches Bindungsverhalten haben. Ein Partner kann zum Beispiel Mühe haben, die Konstruktion als richtige Partnerschaft zu sehen. Oder die Vorstellung von Nähe weicht ab: Während einer am liebsten sofort zusammenziehen möchte, würde der andere am liebsten noch lange in seiner Junggesellen-Bude verweilen.“ Ein absoluter Klassiker: Kinder. „Das Thema Kinder kriegen kann als eine Art Dauerbaustelle gesehen werden. Wenn man hier nicht auf einen Nenner kommt, wird es schwierig“, so der Psychotherapeut.

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Suchtprobleme, alles, was in irgendeiner Form mit Gewalt zu tun hat und Seitensprünge zählen zu den „Killern“, die das Vertrauen in der Partnerschaft zerstören. Krüger erklärt: „Etwa zwei Drittel aller Beziehungen scheitern nach Seitensprüngen.“

"Der Anfang vom Ende": Was Sie auf gar keinen Fall tun sollten

So weit, so gut. Doch es gibt auch noch die „Killer“, die getarnter um die Ecke kommen und meist eher unscheinbarer sind, wie zum Beispiel der durchaus relevante Punkt namens Respekt: „Eine Partnerschaft lebt von Respekt. Der Partner muss immer gut behandelt werden, sonst findet eine dauerhafte Entwertung statt. Wenn eine Partie nur die Dinge erwähnt, die schief oder nicht gut laufen, dann kann das problematisch werden.“ Laut Krüger gebe es hier eine einfache Grundregel: „Den Partner zu loben ist das Schmieröl der Liebe!“ Auch wenn der stressige Alltag es oft nicht zulässt: Versuchen Sie diesen Tipp zu beherzigen und versuchen Sie, nicht immer jeglichen Frust an Ihrem Partner auszulassen.

Und – ebenfalls wichtig: „Sobald Partnerschaften so sind, dass einer versucht, den anderen zu ändern, dann gibt es nur noch wenig Hoffnung.“ Eine Beziehung lebe von der Toleranz, dass man den anderen grundsätzlich so lässt, wie er ist. Was nicht heiße, dass man in puncto Haushalt oder fehlender Erotik keine Wünsche mehr äußern darf. Denn das sei durchaus normal, so Krüger. „Wünsche sollen immer geäußert werden. Aber Sie dürfen nicht erwarten, dass wenn Sie in ein Gutshaus eingezogen sind, daraus plötzlich ein Schloss wird.“

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Heißt also: Der Partner sollte niemals in seinen Grundgegebenheiten offensiv geändert werden wollen. „Wenn wir unzufrieden sind, fangen wir an, am Partner rumbasteln zu wollen. Aber damit machen wir ihm klar, was seine Defizite sind. Und das ist der Anfang vom Ende.“

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Machtkämpfe sind ein absolutes No-Go

Eine Partnerschaft durchlaufe zudem immer eine Art Stufenfolge, wie der Psychotherapeut erklärt: „Zunächst gibt es in jeder Ehe die Enttäuschungen, gefolgt von einem Rückzug, einer Phase, die gedämpfter ist was Sehnsucht und Leidenschaft angeht. Hier ist es durchaus möglich, dass sich die Beziehung anfühlt wie ein WG-Leben. Die dritte Stufe, das Ändernwollen und Entwerten, ist die kritischste. Hier macht man dem Partner nämlich deutlich, dass er eigentlich einen großen Teil der eigenen Wünsche gar nicht erfüllt, was wiederum zu Machtkämpfen führt.“

Und diese Machtkämpfe, so Krüger, lassen uns zu Taktikern werden. „Dann gehen wir nicht mehr auf den Partner ein, wir geben nicht mehr nach und werden berechnend. Ist man an dieser Stelle angekommen, ist das der ‘Todesstoß für die Liebe’.“ Aber wie sieht so ein Machtkampf überhaupt aus? „Angenommen er möchte mehr Sex haben als sie und man ist bereits in dieser kritischen, dritten Stufe angelangt, könnten die Gedanken schnell umschwenken in Richtung: ‘Wenn sie mir nicht gibt, was ich will, dann gebe ich ihr auch nicht das, was sie will’.“ Mit den Machtkämpfen wird die Beziehung blockiert, nach wenigen Monaten sind die restlichen Gemeinsamkeiten verschwunden und die Beziehung ruiniert. „Da kommt man normalerweise nicht mehr raus, weswegen man gucken muss, dass man erst gar nicht in diese Ebene reinrutscht.“

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Sex-Flaute? Das können Sie tun

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Besser: Bei einer Erotik-Flaute hinterfragen, was wirklich los ist. „Stecken Kränkungen dahinter? Hat man keine Zeit mehr füreinander? Bin ich vielleicht überarbeitet? Sexualität können Sie nicht steuern. Die Stimmung dafür muss vorbereitet werden. Dazu muss man aufeinander zugehen und es braucht andere Körperlichkeiten wie Umarmungen oder Massagen“, erzählt Krüger. So entstehe eine körperliche Entspanntheit und die Lust komme zurück.

Was außerdem helfen könnte: „Auf ein gutes Verhältnis von Vertrautheit und Abstand achten. Wenn Dinge eingeschlafen sind, weil sie zu selbstverständlich geworden sind, muss der Spielraum für Sehnsucht vergrößert werden.“ Auch wenn man es vielleicht denken mag, widerlegt Krüger einen Mythos: „Viel Nähe führt nicht zu viel Erotik. Erotik besteht auch aus Unsicherheit, Abstand und Erobern.“ Dass jeder also auch mal Dinge für sich machen sollte, bekommt so nochmal eine ganz andere Bedeutung.

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Holen Sie sich die Liebe zurück! Diese Tipps helfen ebenfalls

Um erst gar nicht in die Falle bestimmter Beziehungs- und Ehe-Killer zu tappen, hat Dr. Krüger folgende Tipps in petto:

  • In einer Partnerschaft braucht man vor allem eines: Humor. „Seien Sie sich auch ruhig selbst im Klaren darüber, dass Sie schwierig sind und legen Sie nicht immer alles sofort auf die Goldwaage.“
  • Achten Sie darauf, wie Sie miteinander kommunizieren: „Wenn Sie etwas stört und Änderungen wünschen, dann bauen Sie Anerkennung mit ein; das Positive muss überwiegen.“
  • Redebedarf? Dann rufen Sie Ihre beste Freundin oder Ihren Kumpel an oder suchen Sie sich einen Therapeuten. „Nicht immer müssen wir alle Probleme bei unserem Partner abladen.“
  • An alle Frauen: Reden Sie sich nicht den Mund fusselig! „Wenn der Mann mehr im Haushalt helfen soll, dann sagen Sie das zwei, drei Mal und dann ist gut. Danach ist handeln gefragt. Machen Sie sich rarer und rennen Sie Ihrem Partner nicht mehr hinterher. Er muss erkennen, dass er von selbst machen will, was Sie möchten.“

Sollte all das nicht mehr helfen, gilt: Beobachten Sie Ihre Partnerschaft. „Wenn Sie sogenannte Schallplattengespräche führen und immer dasselbe erzählen, kann eine kleine Trennung helfen. Jeder macht sein Ding, guckt auf sein Leben und kümmert sich um sich selbst. Nach vier Wochen sieht die Situation meist anders aus und hat sich unter Umständen wieder entspannt.“

Eine Partnerschaft lebe von guten Stimmungen, so der Psychotherapeut. Dazu zählt aber auch, dass jeder – unabhängig vom Partner – seine eigenen Ziele weiterverfolgen sollte. „Fragen Sie sich: Was sind meine Lebensziele? Was will ich noch machen im Leben? Wenn Sie all das anpacken, was Sie schon lange aufschieben, entsteht eine ganz bestimmte Art von Gelassenheit und Fröhlichkeit. Wenn Sie diese Stimmung dann mit in die Partnerschaft bringen, dann ist das super.“ Eine Partnerschaft könne man nur verbessern, wenn die eigene Stimmung gut ist – vielleicht sogar so gut wie am Anfang. Oder noch besser.

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