Diese Tipps gibt der Psychologe

Toxische Freundschaften: Wie Sie falsche Freunde erkennen

Nicht nur Beziehungen können toxisch sein, sondern auch Freundschaften.
Nicht nur Beziehungen können toxisch sein, sondern auch Freundschaften.
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01. Oktober 2021 - 10:53 Uhr

Nicht nur Beziehungen: Auch Freundschaften können toxisch sein

von Vera Dünnwald

Zwischenmenschliche Beziehungen können manchmal ganz schön kompliziert sein! Wenn es in der Beziehung kriselt oder diese scheitert, hört man in diesem Zusammenhang immer häufiger das Wort "toxisch". Aber wie sieht es eigentlich bei Freundschaften aus? Auch da kann mitunter Einiges schief laufen. Psychologe Rolf Schmiel erklärt im Gespräch mit RTL, woran man die falschen Freunde, die ein Miteinander giftig machen, erkennen kann – und wie man sie wieder los wird.

Deswegen sind toxische Beziehungen und Freundschaften so tückisch

Ein junges Paar sitzt auf ihrem Sofa im Wohnzimmer. Die Frau, die im Vordergrund sitzt und von der Kamera fokussiert wird, weint.
Immer häufiger ist die Rede von "Toxischen Beziehungen". Aber auch im Freundeskreis kann es mitunter toxisch werden.
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Für den Dipl.-Psychologen Rolf Schmiel ist klar: Toxische Beziehungen und Partnerschaften sind aktuell ein großes Thema. "Wenn Beziehungen nicht so laufen, wie wir uns das eigentlich gewünscht hätten, ist häufig die Rede von 'toxisch.' Aber: Nicht jede Beziehung, die scheitert, ist direkt toxisch." So ist es auch der Fall beim Thema Freundschaft.

Es ist wichtig zu wissen, so der Experte, dass sowohl zu einer toxischen Beziehung, als auch zu einer toxischen Freundschaft, immer zwei Personen dazu gehören: "In jede Form von Beziehung – sei es Partnerschaft oder Freundschaft – bringt jeder seine Anteile mit. Es ist nicht nur einer von beiden derjenige, der sich plötzlich als 'Täter' entpuppt. Meist eröffnet der Andere ihm auch erst die Möglichkeiten zu der Tat." Was genau bedeutet das?

In richtigen toxischen Freundschaften hat meist eine Person ein schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Sie neigt dazu, sich als Freund jemanden auszusuchen, der dominantere Züge hat, erklärt Schmiel. Diese Dominanz zieht an – aber sie ist es auch, die unangenehme Schattenseiten mit sich bringen kann, zum Beispiel wenn die weniger dominante Person nicht gelernt hat, "Nein" zu sagen oder sich entsprechend abzugrenzen. "Genau so entsteht irgendwann ein Strudel, der einen in eine toxische Beziehung oder Freundschaft bringt, aus dem man so schnell nicht mehr rauskommt. Das ist wie ein schleichendes Gift."

Das Perfide: Der toxische Partner oder Freund merkt nämlich meist ganz genau, wenn er aufzufliegen droht, sodass er sich wieder anpasst und von seiner besten Seite präsentiert. Ein weiteres Problem: "Toxische, zwischenmenschliche Beziehungen machen auf eine Art süchtig. Und auch deswegen finden wir so schlecht wieder heraus."

So erkennen Sie eine toxische Person in Ihrem Umfeld

Bei Freundschaften gibt der Psychologe doch zunächst Entwarnung: "Bei echten – vor allem langjährigen – Freundschaften ist es eigentlich selten, dass die sich tatsächlich als toxisch entpuppen." Sondern? Meist sind es eher die neueren Bekanntschaften in unserem Umfeld. "Da sind die Grenzen fließend, ähnlich wie in einer Beziehung. Wenn jemand – also der neue Bekannte – besonders toll ist, himmeln wir ihn an; es ergeben sich Abhängigkeitsverhältnisse. Die toxische Person kann das ausnutzen und uns gegebenenfalls verletzen."

Als eindeutigstes Zeichen, mit dem Sie herausfinden können, ob sich wirklich ein toxischer Freund in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis tummelt, empfiehlt Schmiel Folgendes: "Wer zu viel gibt, aber zu wenig zurückbekommt, der ist in einer Situation, die problematisch ist. Das muss zwar nicht direkt toxisch sein, aber problematisch ist es definitiv." Das macht Sinn, denn schenken Sie Ihrem Freund Ihre kostbare Zeit, Aufmerksamkeit und bringen viel Verständnis auf, ohne, dass das bemerkt – geschweige denn gewertschätzt – wird – dann sollten Sie Ihre Verhältnis noch einmal überdenken. "Wenn der 'toxische Part' sein Ding durchzieht, ohne darauf Acht zu geben, wie Sie sich fühlen oder was Sie denken UND Ihnen dann noch ein schlechtes Gefühl gibt, wenn Sie etwas dazu sagen, dann könnte man durchaus von toxisch sprechen."

Lese-Tipp: Wie Sie den Absprung aus einer "toxischen" Beziehung schaffen

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Wie kann man erkennen, dass man einen toxischen Freund im Umfeld hat?
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Diese Antwort kommt überraschend: "In den meisten toxischen Freundschaften steckt ein unterbewusstes Partnerschaftsbedürfnis. Ansonsten würde man bestimmte Spielchen nicht mit sich machen lassen. Auch das muss nicht immer der Fall sein, aber in vielen Fällen zeigt sich so eine partnerschaftliche Sehnsucht", offenbart Rolf Schmiel.

Oder aber man weiß schon von Beginn an, dass diese neue Freundschaft eigentlich nicht stimmig sein kann. Wie das aussieht? "Man freundet sich mit jemandem an, der aus einem völlig anderen sozialen Umfeld kommt. Es entsteht eine Freundschaft, obwohl man im Inneren bereits spürt: 'Hier stimmt etwas nicht.'" Würde zum Beispiel konkret heißen: Sie treffen jemanden, der einen hohen Status und viel Geld hat. "Da weiß man eigentlich – wenn man wirklich ehrlich zu sich wäre – dass man da auf Dauer vielleicht nicht mithalten kann. Ein nicht-zugegebener Wunsch nach persönlicher Aufwertung durch den Anderen könnte hier das Motiv sein und dass man selbst durch die Freundschaft beliebter wird."

Das Problem, das sowohl bei toxischen Beziehungen als auch bei toxischen Partnerschaften besteht, ist das fehlende Eingeständnis der eigenen Motive. Die Sehnsucht, dass etwas ehrlich gemeint ist, ist meist zu groß, als dass man etwas ändern wollen würde. Und genau deswegen lässt man sich darauf ein.

Lese-Tipp: Toxische Beziehung: Bin ich selbst etwa der toxische Part?

Explosive Mischung entsteht wie im Chemiebaukasten

Und schon befindet man sich in diesem tückischen Strudel, aus dem man unter Umständen schlecht wieder herausfindet. Trotzdem betont der Psychologe, dass eine Person per se nicht toxisch ist: "Das ist wie bei einem Chemiebaukasten. Die einzelne Person, also quasi die einzelne Chemikalie, muss gar nicht das Problem sein – sondern viel mehr die Mischung aus beiden Partien. Was dann zusammen kommt, kann mitunter explosiv und problematisch werden. Erst das Zusammenspiel mit einer anderen Person kann ein harmonievolles Miteinander unmöglich machen."

Der wichtigste Mensch sind immer noch Sie selbst!

Es gibt jedoch einen wichtigen Tipp, den Sie befolgen können, der auch dem Psychologen auf dem Herzen liegt. "Suchen Sie Ihr Glück nicht im Außen, sondern werden Sie erst einmal glücklich mit sich selbst. Man sollte sich selber lieber akzeptieren und eine gute Zeit mit sich haben." Wenn Sie sich daran halten, werden Sie für Ihr Umfeld – und etwaige toxische Beziehungen und Freundschaften – weniger angreifbar. Sobald Sie sich wohl fühlen in Ihrer eigenen Haut, ist es leichter, toxische Fallen zu umgehen.

Ebenfalls wichtig: Wenn Sie, als einziger in einer größeren Gruppe, eine bestimmte Person nicht leiden können und ein Problem mit dieser Person haben, macht es keinen Sinn, ihr direkt den Stempel "toxisch" zu geben. "In einer solchen Situation sollte man sich eher fragen: 'Woher kommt mein Problem?' oder 'Was ist mein Anteil an dem Problem, was ich mit der Person habe'?", rät der Experte.

Auch das Arbeiten am eigenen Selbstwertgefühl sieht Schmiel als "beste Lösung, als beste Therapie", da man sonst – im schlimmsten Fall – immer und immer wieder in die selben Strukturen gerät. Meist laufen die Menschen vor Konfrontationen weg oder sind nicht bereit für einen Entwicklungsprozess. Aber: "Sie müssen Verantwortung für ihr Leben übernehmen."