Psychischer Kranker trotz Mordankündigung entlassen: Ärztin angeklagt

Prozess gegen Ärztin vor dem Landgericht Lübeck: Verdacht der fahrlässigen Tötung.
Prozess gegen Ärztin vor dem Landgericht Lübeck: Verdacht der fahrlässigen Tötung.
© dpa, Malte Christians

02. Dezember 2013 - 14:16 Uhr

"Seine Augen machten mir Angst"

Bakak M. hatte die grausame Tat am Abend zuvor angekündigt. "Böse Stimmen" hätten dem 31-Jährigen angeblich befohlen, sich und seine Mutter zu töten. Als er die psychiatrische Klinik verlassen durfte, geschah es: Er fuhr zur Wohnung seiner Mutter und erstach sie mit einer Schere. Die behandelnde Ärztin steht jetzt in Lübeck wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Die 54-Jährige soll Babak M. sogar noch einen Zettel mit einer Wegbeschreibung mitgegeben haben.

Es ist der 2. Januar 2013. In einem Linienbus werden Jugendliche auf Babak M. aufmerksam. Der 31-Jährige leidet an paranoider Schizophrenie, berichtet von mysteriösen Stimmen, die ihm den Mord an sich und seiner Mutter befehlen. Die Jugendlichen verständigen die Polizei, Babak M. wird in ein Krankenhaus gebracht. Auch dort erzählt er dem Personal von den "bösen Stimmen" in seinem Kopf. Luise L. ist in dieser Nacht die diensthabende Psychiaterin des Johanniter Krankenhauses in Geesthacht.

Nach Aussagen von Klinikmitarbeitern soll sie dem Mann am nächsten Morgen das Verlassen der Einrichtung erlaubt haben, ohne noch einmal mit ihm zu sprechen oder ihn zu untersuchen. Sie selbst bestreitet das. Babak M. hatte darum gebeten, sich von seiner Mutter Geld und Kleidung holen zu dürfen. "Er sagte, dass er nicht allein sein wolle und jemanden zum Reden brauche. Aber seine Augen machten mir Angst", erinnert sich eine Krankenschwester.

Kurz nachdem Babak M. das Krankenhaus verlässt, geschieht es. Er fährt zur Wohnung seiner Mutter und ersticht sie mit einer Schere. Angeblich soll Luise L. ihm sogar einen Zettel mit der Wegbeschreibung mitgegeben haben. Der 31-Jährige wurde im Juli vom Landgericht Lübeck auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen.

Ärztin will auf "unschuldig" plädieren

Schon bald richteten die Ermittler ihr Augenmerk auf die Medizinerin. Die 54-Jährige muss sich nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung vor dem Lübecker Landgericht verantworten. Die Ärztin will auf "unschuldig" plädieren: Angeblich habe sie nichts von den Tötungsfantasien ihres Patienten gewusst.

Für den Prozess hat das Gericht drei Verhandlungstage vorgesehen. Es sind elf Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Im Fall einer Verurteilung drohen der Medizinerin bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.