Psychiater Manfred Spitzer fordert: Smartphone-Verbot für Kinder unter 18 Jahren

24. September 2018 - 16:39 Uhr

Manfred Spitzer: "Handys schaden der Gehirnentwicklung"

Ein Smartphone soll für Kinder noch viel schädlicher sein als Zigaretten. Das behauptet der Ulmer Arzt Manfred Spitzer. Deshalb fordert er, Handys erst ab 18 Jahren zu erlauben. Aber ist das wirklich die Lösung?

Machen Smartphones Kinder unselbstständig?

Eltern wollen ihre Kinder erreichen können, und für die Kleinen hat das Smartphone viele Vorteile. Umso schockierender ist Manfred Spitzers Forderung. Ein mögliches Handyverbot an Schulen wie in Bayern geht dem Mediziner nicht weit genug. Die Gesundheit ginge vor, daher sollten Kinder und Jugendliche gar keine Zeit vor den kleinen Bildschirmen verbringen.

"Möchten Sie wirklich jede Gelegenheit vermasseln, wo Ihr Kind mal das Gehirn selber einschalten und gebrauchen muss?", fragt Manfred Spitzer. "Denn wenn ein Kind einen Platten hat und nichts weiter kann, als ins Handy zu blöken 'Mama ich hab 'nen Platten', dann ist das Kind leider eben nicht herausgefordert." Dabei sei es wichtig, Kinder zur Selbstständigkeit anzuhalten.

Auch Augenärzte warnen vor den Langzeitschäden, wie eine Studie aus China beweist. Dort sind bereits vier von fünf Jugendlichen kurzsichtig. Das Problem: Durch die andauernde Fokussierung auf das Smartphone wächst der Augapfel immer weiter.

Je höher die Bildung, desto schlechter die Augen

Gefährlich an der Smartphone-Nutzung ist außerdem das mangelnde Tageslicht, denn Kinder und Jugendliche verbringen deutlich mehr Zeit im Haus. Und Tageslicht hemmt das Wachstum des Augapfels, wodurch es ein wichtiger Faktor gegen Kurzsichtigkeit ist.

In Deutschland sind vor allem die 25- bis 29-Jährigen von der Sehschwäche betroffen. Dagegen hilft nur eine tägliche Tageslichtkur. Für Schulkinder könnte die Lösung einfach sein: Wenn sie die Pausen handylos auf dem Schulhof verbringen, kommen sie an die von Augenärzten geforderten 90 Minuten Tageslicht pro Tag.

So lässt sich die Smartphone-Kurzsichtigkeit vermeiden

An den steigenden Fällen von Kurzsichtigkeit ist nicht das Smartphone allein schuld, sondern auch andauerndes Lesen. Der Fokus ist in beiden Fällen der Gleiche. Hierbei hilft: Wer länger auf Buch oder Bildschirm starrt, sollte häufiger hochschauen und den Blick schweifen lassen. Das entlastet die Augäpfel.

Unsere Reporterin hat mit Eltern und Kindern diskutiert, ob sie sich ein Leben ohne Smartphone vorstellen können.

Ginge es denn auch ohne Smartphones?

Aber was ist mit der digitalen Früherziehung? Alles Quatsch, sagt Manfred Spitzer. Für Kinder sei es wichtig, sich aktiv mit den sozialen Herausforderungen ihrer Umgebung auseinanderzusetzen.