Prügelopfer: Blanke Angst vor dem Peiniger

Markus P. wurde in der Nacht zu Ostermontag in der Berliner U-Bahnstation Friedrichstraße von zwei 18-Jährigen krankenhausreif geschlagen.
Markus P. wurde in der Nacht zu Ostermontag in der Berliner U-Bahnstation Friedrichstraße von zwei 18-Jährigen krankenhausreif geschlagen.
© dpa, Polizei

09. Februar 2016 - 15:21 Uhr

"Ich bin sehr nervös"

Er wurde Opfer eines exzessiven Gewaltausbruchs - offenbar grundlos. Wie durch ein Wunder überlebt Markus P.. Doch er hat bis heute mit den Folgen der Tat zu kämpfen. Vor Gericht sah der 30-Jährige nun seinen Peiniger wieder - und zitterte vor Angst.

Erst prügelte der Schüler sein Opfer in einem U-Bahnhof bis zur Bewusstlosigkeit. Monate später zeigt er sich nun selbst erschrocken über den unfassbaren Angriff. Zum Prozessauftakt vor dem Berliner Landgericht gab sich der 18 Jahre alte Gymnasiast in seinem Geständnis erschüttert: "Meine Tat ist eine Schweinerei und durch nichts zu entschuldigen".

Erinnern könne er sich eigentlich an die Tritte und Schläge gegen sein zufällig ausgewähltes Opfer nicht, denn er sei betrunken gewesen. "Ich bin schockiert und entsetzt über mich selbst." Dem Angeklagten wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Mitangeklagt ist ein ebenfalls 18 Jahre alter Freund des Schülers. Dieser sagte, dass es ihm sehr leid tue.

Überwachungskameras hatten die Attacke vor vier Monaten im Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße aufgenommen. Bundesweit lösten die Bilder damals Entsetzen aus und eine neue Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern. Dass der Gymnasiast von der Untersuchungshaft verschont und nicht wegen versuchten Mordes angeklagt wurde, war öffentlich kritisiert worden.

Im abgeschirmten Saal 700 des Berliner Kriminalgerichts steht das Opfer dem Täter nach vier Monaten erstmals gegenüber. "Ich bin nur am Zittern und sehr nervös", schildert der 30-Jährige seine Gefühle. Eine Entschuldigung des Gymnasiasten lehnt er ab. Einen Brief habe er zurückgeschickt. Der wirkte sehr juristisch, nicht wie von einem 18-Jährigen.

Keine Erinnerung an die Tat

Das Opfer kann sich an den Angriff nach eigenen Worten nicht erinnern: "Ich kann leider gar nichts dazu sagen." Mit Freunden hatte er an einem Dart-Turnier teilgenommen. Er gewann. Die Stimmung war gut. Es wurde getrunken, aber betrunken sei er nicht gewesen, sagte der Berliner.

Erst im Krankenhaus setzt die Erinnerung wieder ein. Im Zimmer des damals 29-Jährigen lief ein Fernsehgerät mit Szenen des Überfalls. Die Mitpatienten erzählten, dass ich das war. "Da war Sense, ich wusste nicht, was ich tun soll." Der Installateur lag drei Tage mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Schnittwunden und Prellungen im Gesicht im Krankenhaus. Sechs Wochen konnte er nicht arbeiten. Bis heute leidet der Berliner an Schlafstörungen und wird psychisch behandelt.

Opfer-Anwältin Elke Zipperer erklärte, sie habe noch nie ein so brutales Video gesehen. Es sei ein Wunder, dass der Mann überlebt habe. Aus Sicht der Nebenklage komme auch versuchter Mord in Betracht. Aufrichtige Reue ist aus Sicht der Nebenklage nicht erkennbar.