Prügelnder Ehemann freigesprochen: Richter in Portugal findet Gewalt gegen Frauen gerechtfertigt

Ein portugiesischer Richter findet häusliche Gewalt offenbar in Ordnung, wenn die Frau ihrem Mann fremd gegangen ist. (Symbolbild)
Ein portugiesischer Richter findet häusliche Gewalt offenbar in Ordnung, wenn die Frau ihrem Mann fremd gegangen ist. (Symbolbild)
© dpa, Maurizio Gambarini, gam sup sab rho

30. Oktober 2017 - 12:03 Uhr

Ehemann ging mit einem Hammer auf seine Frau los

In Portugal ist ein wütender Mann mit einem Hammer auf seine Ehefrau losgegangen. Dafür wurde er verurteilt. Bis hierhin klingt alles ganz normal – dann landete der Fall bei dem Richter Joaquim Neto de Moura vom Landgericht Porto. Er traf eine Entscheidung, die nicht nur in Portugal für Ärger sorgt: Er annullierte die Strafe des Mannes. Er fand den gewalttätigen Übergriff auf die Frau gerechtfertigt, weil sie den Angeklagten zuvor betrogen hatte.

Richter Joaquim Neto de Moura hob die Strafe auf

Die Tat ereignete sich bereits 2015. Damals ging der Ehemann zusammen mit dem Liebhaber, mit dem seine Frau im Bett gewesen war, auf das Opfer los. Die beiden schlugen mit einem Hammer auf die Frau ein. Dafür wurden die Männer zu 15 und 12 Monaten Gefängnis sowie einer Geldstrafe verurteilt, wie die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet.

Das fand der Richter aber offenbar ein wenig zu streng und hob die Strafe gegen den Ehemann auf. Ehebruch sei "ein schwerer Angriff auf die Ehre und Würde des Mannes", begründete er sein Urteil. "Es gibt Gesellschaften, in denen untreue Ehefrauen zu Tode gesteinigt werden. In der Bibel können wir ebenfalls lesen, dass Ehebrecherinnen mit dem Tode bestraft werden sollen", erklärte er weiter.

Auch in einem anderen Fall sprach der Richter ein ähnliches Urteil

Das Urteil löste im ganzen Land einen Sturm der Entrüstung aus. An mehreren Orten gab es Protestkundgebungen gegen Neto de Moura. Ob die etwas erreichen, ist aber unklar. Laut portugiesischen Medienberichten will zwar der Oberste Rat der Justiz den Fall bei der nächsten Versammlung diskutieren, die Entscheidungen eines Richters lassen sich aber nicht anfechten.

Laut der portugiesischen Zeitung 'Sábado' ist es nicht das erste Mal, dass Neto de Moura eine Strafe für häusliche Gewalt aufhebt. Auch in einem anderen Fall ließ er einen Ehemann ungeschoren davonkommen. Damals begründete er seine Entscheidung damit, dass das Opfer Ehebruch begangen habe und eine "fasche, heuchlerische, unehrliche, illoyale, nutzlose, unmoralische Person" sei. Den gewalttätigen Mann sprach er von seiner Haftstrafe – zwei Jahr und vier Monate – frei.

Wenn Sie Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, haben wir hier Informationen für Sie, wie sie schnell Hilfe bekommen.