Selbst aus dem Gefängnis heraus stalkte er seine Ex weiter

Prügel, hunderte Briefe, tausende Anrufe: Stalker Steve O. in Leipzig verurteilt

03. Februar 2021 - 19:38 Uhr

Justizministerin will mehr Schutz vor Stalkern

Stalking-Opfer sollen nach Plänen von Justizministerin Christine Lambrecht eine bessere rechtliche Handhabe gegen ihre Peiniger bekommen. "Der Straftatbestand der Nachstellung hat bisher zu hohe Hürden", erklärte die SPD-Politikerin jetzt. "Ich möchte die Anwendung der Strafvorschrift erleichtern und die Strafbarkeitsschwellen senken." Doreen P. aus Leipzig hätte eine leichtere Verfolgung und härtere Bestrafung von Tätern einiges an Leid erspart. Ihr Ex-Partner hat die 37-Jährige geschlagen, bedroht und immer wieder belästigt. Weshalb Steve O. letztendlich verurteilt worden ist – im Video.

"Ich bring dich um, dann müssen deine Kinder als Halbwaisen aufwachsen"

Stalker
Stalker Steve O. (rechts) im Januar vor Gericht.

Besonders perfide: Doreens ehemaliger Partner, Steve O., bedrohte die dreifache Mutter (das jüngste Kind ist von O.) sogar noch nach seiner Verurteilung aus dem Gefängnis heraus. Dutzende Briefe, tausende Anrufe – sie muss einiges über sich ergehen lassen. Nach einer kurzzeitig glücklichen Beziehung stellt sich heraus, dass O. gewalttätig ist und ein Alkoholproblem hat. Er schlägt sie, aber auch die Kinder. Die Zwischenfälle häufen sich.

Nachdem er Doreen Ende 2019 fast zu Tode würgt, trennt sie sich von ihm. Daraufhin beginnt das intensive Stalking. "Ich bring dich um, dann müssen deine Kinder als Halbwaisen aufwachsen."

Nahezu täglich bekommt Doreen gemeine Sprachnachrichten, mit Drohungen und oft auch üblen Beleidigungen. Innerhalb kürzester Zeit schickt Steve O. über 500 Nachrichten. Mehr als 2.750 Anrufe machen Doreen das Leben zur Hölle. immer wieder lauert er Doreen auf. Die gepeinigte Frau erwirkt ein Kontaktverbot, gegen das ihr Ex Freund permanent verstößt.

Doreen P. ist nicht das einzige Opfer von Steve O.

Doreen
Stalking-Opfer Doreen P.

Auch als Steve O. deswegen in Untersuchungshaft kommt, geht das Stalking weiter. Er schreibt ihr Briefe aus dem Gefängnis, spannt auch Freunde und seine Eltern ein, die Doreen mit ungebetener Post belästigen. Sie öffnet inzwischen nichts mehr, schickt Briefe und Päckchen zurück.

Im Januar steht O. vor Gericht. Er wird verurteilt. Zwei Jahre und zwei Monate Gefängnis wegen Körperverletzung, Nachstellung und weil er Intimfotos von Doreen verschickt hat. Sie ist nicht ein einziges Opfer, fünf weitere Frauen soll er gestalkt haben. Ab April muss er sich dafür in einem weiteren Prozess verantworten.

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Lambrecht will Strafrecht verschärfen

Christine Lambrecht, Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz
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Stalking - oder Nachstellung, wie es im Strafgesetzbuch heißt - kann Opfern das Leben zur Hölle machen. "Stalker verfolgen, belästigen und bedrohen Menschen häufig Tag und Nacht, und das über lange Zeit. Die Übergriffe reichen bis hin zu körperlicher und sexualisierter Gewalt", weiß auch Justizministerin Lambrecht.

Sie will in Kürze einen Gesetzentwurf mit Vorschlägen zur Verschärfung des Strafrechts vorlegen. Demnach sollen künftig die Belästigungen durch einen Stalker im Strafgesetzbuch nicht mehr als "beharrlich" umschrieben werden, sondern als "wiederholt". Außerdem will sie das Strafmaß für besonders schwere Fälle von bis zu drei auf bis zu fünf Jahre erhöhen, sagte sie der "Stuttgarter Zeitung."

Juristin: Lambrecht-Plan ist "reiner Aktionismus“

Die Opferberatungs-Organisation Weißer Ring hält die Umformulierung für sinnvoll. "Beharrlich" sei ein unbestimmter Rechtsbegriff und damit für Strafverfolgungsbehörden und Gerichte schwer zu fassen", sagte Sprecherin Bianca Biwer. "Wir hatten vorgeschlagen, fünf Vorkommnisse als Schwelle zu nennen, also eine konkrete Zahl. Aber 'wiederholt' wäre schon eine deutliche Verbesserung gegenüber der jetzigen Regelung."

Die Hamburger Juristin Gül Pinar, Mitglied im Strafrechtsausschuss des Deutschen Anwaltvereins, hält vom Begriff "wiederholt" hingegen wenig: Da werde nur ein unbestimmter Begriff durch einen anderen ersetzt. "Das ist reiner Aktionismus." Zumal es damit nur noch schwieriger werde, Stalking von ganz normalem Alltagsverhalten abzugrenzen.