Wegweisender Prozess in den USA gestartet

Nach Tod von George Floyd - Ex-Polizist Derek Chauvin plädiert auf unschuldig

29. März 2021 - 21:19 Uhr

Chauvin kniete minutenlang auf Floyds Nacken

"I can't breathe" – ich kann nicht atmen. Worte, die weltweit für Empörung und Aufstände sorgten. Es war das letzte, was der Afroamerikaner George Floyd vor seinem Erstickungstod über die Lippen brachte. Polizisten hatten sich auf den Nacken des 46-Jährigen gekniet, bis er erstickte. Am Montag begann das Hauptverfahren gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin – im Video. Ihm wird unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen – im Bundesstaat Minnesota stehen darauf bis zu 40 Jahre Haft. Er plädiert auf nicht schuldig.

Prozess in Minneapolis unter schweren Sicherheitsvorkehrungen

Der Prozess findet unter schweren Sicherheitsvorkehrungen in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota statt. Der Richter, Peter Cahill, sagte im Vorfeld, dass er davon ausgehe, dass sich die Verhandlung einen Monat hinziehen könnte. Ex-Polizist Chauvin ist derzeit auf Kaution frei und muss während des Prozesses anwesend sein.

George Floyd starb nach einer brutalen Polizeikontrolle.
George Floyd starb nach einer brutalen Polizeikontrolle im Mai 2020.
© imago images/ZUMA Wire, Imagespace via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Am 25. Mai 2020 kam George Floyd bei einer brutalen Festnahme ums Leben. Videos zeigten später, wie Polizisten den unbewaffneten Floyd zu Boden drückten. Chauvin presste sein Knie dabei circa acht Minuten lang gegen Floyds Hals. Er rang nach Luft – vergebens. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. Videos des Einsatzes – aufgenommen von Passanten – verbreiteten sich wie ein Lauffeuer.

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Floyds Familie bekommt 27 Millionen Dollar Entschädigung

Die ganze Welt schaut gespannt auf den Prozess, denn dort wird sich zeigen: Befindet das Gericht den Polizisten, der Floyds Tod wohl herbeigeführt hat, für schuldig oder unschuldig. Chauvin, der nach dem Vorfall entlassen wurde, wird Mord zweiten Grades ohne Vorsatz vorgeworfen.

Der Ex-Polizist muss sich zudem wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, was zusätzlich mit zehn Jahren Haft geahndet werden könnte. Trotz erdrückender Beweislage, plädiert er auf unschuldig. Drei weitere angeklagte Polizisten müssen sich in einem gesonderten Prozess ebenfalls vor Gericht verantworten. Sie beantragten eine Einstellung des Verfahrens. Die Begründung: Floyds Tod sei durch die Einwirkung von Medikamenten und Drogen ausgelöst worden.

Floyds Familie hat sich mittlerweile mit der Stadt Minneapolis auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 27 Millionen US-Dollar (umgerechnet 22,9 Mio. Euro) geeinigt. Damit legen beide Parteien den Zivilrechtsstreit außergerichtlich bei. Das Verfahren gegen Chauvin und die drei anderen Polizisten geht aber weiter.

Black Lives Matter

Nach George Floyds Tod gab es Proteste auf der ganzen Welt.
Nach George Floyds Tod gab es Proteste auf der ganzen Welt.
© AP, Damian Dovarganes, DD

George Floyds Tod sorgte in den USA monatelang für Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Die Proteste erschütterten das Land in historischem Ausmaß. Auch in vielen anderen Ländern, darunter auch in Deutschland, gab es Demonstrationen gegen Rassismus - oft verbunden mit dem Motto "Black Lives Matter". Viele Menschen in den USA, darunter wohl auch die meisten Schwarzen, hoffen auf eine lange Haftstrafe für Chauvin. Sie hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzt.