Ehefrau und Mutter sollten mitverdienen

Prozessbeginn in Kiel: Christoph H. täuscht eigenen Tod vor, um Millionen zu kassieren

Prozessbeginn für  Christoph H. Prozessbeginn Christoph H.
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Prozessbeginn Christoph H.
Prozessbeginn für Christoph H.

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Inszenierter Tod auf der Ostsee

Christoph H. soll seinen eigenen Tod vorgetäuscht haben, um mit seiner Familie Millionen zu ergaunern. Seit heute müssen sich der 53-Jährige, seine gleichaltrige Ehefrau und die 87-jährige Mutter für den mutmaßlichen Versicherungsbetrug vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Angeklagte äußern sich nicht

Im Gerichtssaal bedeckt Christoph H. sein Gesicht mit Maske und Schweißerbrille. Seine Ehefrau wirkt genervt von der ganzen Situation. Beide wollen sich nicht zu der Tat äußern. Das erstaunt Richter Carsten Tepp: „Wir sind davon ausgegangen, dass sie sich einlassen werden, weil die Sachlage so eindeutig ist.“ Denn der lebende Beweis, dass es sich um Versicherungsbetrug handelt, sitzt ja auf der Anklagebank.

Anklagevorwurf: Versuchter Betrug in 14 Fällen

Es klingt wie die Drehbuchvorlage eines Fernsehkrimis: Ein Kieler Ehepaar und die Mutter des Mannes wollen insgesamt 4,1 Millionen Euro von mehreren Lebens- und Unfallversicherungen kassieren und inszenieren dazu im Herbst 2019 den Tod des Ehemannes auf der Ostsee. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Deshalb lautet der Vorwurf: Versuchter Betrug in 14 Fällen.

„Inhalt der Beweisaufnahme werden insbesondere die Chatprotokolle der Angeklagten sein“, sagt Gerichtssprecherin Karin Witt zum Prozessbeginn. Diese seien während des Abtauchens von Christoph H. entstanden, denn die Angeklagten hätten untereinander viel korrespondiert.

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Monatelang versteckt er sich bei seiner Mutter

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Laut Oberstaatsanwalt Michael Bimler bestreiten die Angeklagten das, aber warum hält sich der Angeklagte Christoph H. dann sieben Monate lang bei seiner Mutter in einer alten Stadtvilla im niedersächsischen Schwarmstedt versteckt? Dort wird er von der Polizei im Mai dieses Jahr aufgespürt. Er hatte sich vor den Beamten auf dem Dachboden hinter Kisten versteckt.

Angeklagter schließt 2018 mehrere Versicherungen ab

Die Ermittler haben bereits einen Verdacht, weil das Boot, mit dem der Angeklagte auf der Ostsee gekentert ist, manipuliert ist. Dazu finden sie heraus, dass der Angeklagte seit 2018 mehrere Lebensversicherungen in Millionenhöhe besitzt. Begünstigt nach seinem Tod: Seine Frau und seine Mutter.

Nur Christoph H. befindet sich in Untersuchungshaft

Zu dem spektakulären Prozess am Mittwoch wird der Angeklagte aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal geführt. Seine Frau befindet sich dagegen unter Auflagen wieder in Freiheit. Die Mutter bleibt aufgrund ihres Alters von der Untersuchungshaft verschont. Das Verfahren gegen die 87-Jährige wird gesondert verhandelt, weil ihre Verhandlungssicherheit coronabedingt nicht gewährleistet ist.

Ein Urteil könnte am 28. Januar verkündet werden.