Prozessbeginn in Darmstadt

Streit um Hausaufgaben: Setzte ein Vater seinen Sohn in der Kälte aus?

04. November 2020 - 15:43 Uhr

Kind (11) musste bei Kälte ausharren

Vor dem Amtsgericht in Darmstadt wird am Dienstag, den 3. November, einem Vater der Prozess gemacht. Frank M. soll seinen 11 Jahre alten Sohn Timm in Alsbach-Hähnlein nach einem Streit um Hausaufgaben auf der Straße ausgesetzt haben – bei niedriger, einstelliger Temperatur. Im Video schildert der Bruder des Jungen, wie er seinen kleinen Bruder seit der Tat erlebt hat.

Streit um Hausaufgaben

Laut der Anklageschrift stritten sich der 52-jährige Vater und sein 11-jähriger Sohn im Dezember 2019 über die Hausaufgaben des Schülers. Die Anklage wirft Frank M. vor, seinen Sohn in den Abendstunden einfach auf der Straße zurückgelassen zu haben. Gegen 23.30 Uhr sei Timm dann von einem Passanten zusammengekauert, auf dem Boden liegend und schlafend im Beuneweg gefunden worden. Nun muss sich der Vater wegen Kindesaussetzung vor Gericht verantworten. 

Im Streit um Hausaufgaben soll ein Mann an einem Dezemberabend im südhessischen Alsbach-Hähnlein seinen elf Jahre alten Sohn alleine auf der Straße zurückgelassen haben.
© RTL

Schläge mit Gürtel, kein Abendessen

Die Befragung des Kindes fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Vorsitzende Richter Martin Walocha sagte, dass der Elfjährige ausgesagt habe, dass er sich wegen des Streits nicht mehr nach Hause getraut habe. Laut Timm sei der Vater an einer Gabelung in eine andere Richtung gegangen und habe gesagt, dass das jetzt "sein Weg" sei.

Der Junge erzählt auch, was sich sonst zu Hause abgespielt haben soll: Schläge mit einem Gürtel, kein Abendessen als Bestrafung, falls er die Kaninchen nicht fütterte. Timm lebt mittlerweile wieder bei seiner Mutter.

Mann soll Bier getrunken haben

Vor Gericht widerspricht der Vater den Vorwürfen. Er habe seinen Sohn nicht ausgesetzt oder zurückgelassen – er habe gedacht, sein Sohn komme nach. Im Streit habe man sich dann verloren. Zu Hause angekommen, habe er seinen Sohn direkt gesucht. Auf dem Weg habe er ihn aber nicht wiedergefunden. Auch in einer Gaststätte, in der die beiden vorher gemeinsam waren, habe er ihn nicht gefunden. Ob diese Schilderungen glaubwürdig sind – unklar. Zur vermeintlichen Tatzeit hatte der Angeklagte nach eigener Aussage mehrere Bier inne – ein Atemalkoholtest am selben Abend ergab einen Wert von 2,8 Promille.

Frank M. beschreibt sich als strengen Vater

Frank M. beschreibt sich in seiner Aussage selbst als strengen Vater. Bei dem Streit soll es um Hausaufgaben gegangen sein. Dieses Thema sei sehr wichtig gewesen in der Beziehung der beiden, so der Angeklagte. Er habe gewollt, dass sein Sohn es aufs Gymnasium schaffe.

Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen

Nach Angaben des Amtsgerichts werden Teile des Verfahrens, insbesondere die Vernehmung des 11 Jahre alten Kindes, unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen, weil es sich um ein Jugendschutzverfahren handelt. Ein Urteil wird für den 17. November erwartet