Prozessbeginn in Dresden

Laurent F. erstickte seine Kinder mit Bauschaum, damit sie schnell sterben

11. Februar 2020 - 10:10 Uhr

Im Video sprechen die Nachbarn der Familie

Leo (5) und Maja (2) hatten laut Anklage keine Chance. Ihr Vater habe sie "aus niederen Beweggründen, heimtückisch und grausam getötet", sagte Staatsanwalt Till von Borries zum Auftakt des Prozesses gegen Laurent F.  am Dienstag im Landgericht Dresden. Der Franzose soll seine Kinder mit Bauschaum erstickt haben. Der 55-Jährige ist wegen Mordes in zwei Fällen, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt, zudem wegen Drogenschmuggels und Beihilfe zum Drogenhandel aus einem anderen Verfahren. Im Video erzählen die Nachbarn Klaus D. und Dagmar D., wie sie den Angeklagten oft erlebten.

Vater sprühte bewusstlosen Kindern härtenden Bauschaum in den Mund

Marieta F. hatte sich im Mai 2018 von ihrem Mann getrennt. Laurent F. wollte das nicht einfach so hinnehmen. "Er wollte an ihr Rache nehmen.", sagte Borries. Deshalb wollte er die ganze Familie töten - "aus verletzter Eitelkeit und Besitzanspruch". Der gelernte Koch äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen.

Die Kinder waren am 9. Mai 2019 im Zuge der Umgangsregelung beim Vater im Dresdner Szeneviertel Neustadt zu Besuch. "Zwischen 18:15 Uhr und 18:55 Uhr erwürgte er sie nacheinander oder abwechselnd mit den Händen", möglicherweise auch mit Textilien wie Decke oder Kleidung sowie unbekanntem Werkzeug wie einer Kette oder Kordel, sagte Borries. "Damit sie sterben, sprühte er den Bewusstlosen schnell härtenden Bauschaum in die Mundhöhle." Leo und Maja hätten keine Möglichkeit gehabt, sich zu wehren, um Hilfe zu schreien oder zu fliehen.​

Angeklagter würgte die Mutter seiner Kinder bewusstlos

Laut Anklage hat der Mann die leblosen Kinder dann im Schlafzimmer im Bett zugedeckt, den Raum abgedunkelt und auf deren Mutter gewartet. Er lockte die Senegalesin ins Haus und schlug ihr mit einem Gegenstand auf den Hinterkopf, sagte Borries. Nur weil die 26-Jährige eine dicke Perücke trug, sei der Hieb nicht tödlich gewesen. Als sie flüchten wollte, traktierte er sie mit den Fäusten und würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit. "Dabei sagte er mehrmals: 'Heute wirst Du sterben'." Als Passanten eingreifen wollten, ließ er von der 26-Jährigen ab.

"Die Geschädigte hatte Todesangst, Schwellungen am Schädel und lebensbedrohliche Atemnot", sagte Borries. Anwohner hatten die Polizei alarmiert, für Maja aber kam jede Hilfe zu spät und der lebensgefährlich verletzte Leo starb in der Nacht. Die Mutter der Kinder kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Laurent F. sitzt seit seiner Festnahme in U-Haft

Der geflüchtete Mann wurde in der Nähe festgenommen und ist seitdem in Untersuchungshaft. Nach einer Fahrt als Drogenkurier mit einem Kilogramm Crystal Meth im Auto Anfang 2019 war er nur unter Auflagen auf freiem Fuß.

Sein Mandant war "in einem ausgesprochen krisenhaften psychischen Zustand", erklärte Verteidiger Andreas Boine in einem Antrag auf Ablehnung des vom Gericht bestellten Gutachters wegen Voreingenommenheit. Mitte 2018 sei dem Beschuldigten eine psychiatrische Erkrankung attestiert und er wiederholt psychologisch behandelt worden, auch mit Antidepressiva. Ihm hätten vor allem die familiengerichtlichen Verhandlungen zugesetzt. Der Angeklagte, der mit Kapuze vermummt im Saal erschien, machte weder dazu noch zur Person Angaben.