Geständnis zum Prozessauftakt

Frau tötet Mann und kassiert jahrelang seine Rente

13. August 2019 - 21:56 Uhr

Wann passierte die Tat - 1995 oder erst sechs Jahre später?

Der Prozess um den gewaltsamen Tod eines alten Mannes im Harz und einen jahrelangen Rentenbetrug beginnt mit einem Geständnis der Angeklagten. Die 62-Jährige gibt vor dem Landgericht Magdeburg an, sexuell belästigt worden zu sein und in Notwehr gehandelt zu haben. Allerdings nennt sie einen völlig anderen Tatzeitpunkt als jenen, den ihr die Anklage vorwirft. Wann die Tat stattgefunden hat, ist aber entscheidend für die Höhe der Strafe.

Sie stach mit einem Messer zu und schlug ihn mit einem Beil

RTL-Reporterin Anne Schneemälcher
RTL-Reporterin Anne Schneemälcher berichtet aus Magdeburg.
© rtl.de, unbekannt

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Totschlag vor. Die Anklage geht von Herbst 2001 aus, damals war das Opfer 81 Jahre alt. Die Angeklagte beharrt aber auf Herbst 1995 - dann wäre die als Totschlag eingestufte Tat verjährt.

Vor Gericht beschreibt sie ihre Tat sehr detailliert, berichtet RTL-Reporterin Anne Schneemälcher. Es sei passiert, als die Angeklagte einen Einkaufszettel schreiben wollte. Er habe seine Hand auf ihr Bein gelegt und sie bedrängt. "Dann habe ich das Messer gesehen und ihm in den Rücken gestochen."

Als sie fliehen wollte, sei die Haustür abgeschlossen gewesen. Aus dem Fenster springen wollte sie nicht. An der Wohnungstür am Schornstein lehnte ein Beil, mit dem sie zweimal zugeschlagen habe, bis er umgekippt sei.

Der Mann sei nicht sofort tot gewesen, sondern habe noch ein bis zwei Stunden "geröchelt". Die Leiche habe sie im Keller vergraben. Ihr Opfer beschreibt die Frau als "schwer zugänglich" und "manchmal jähzornig." Auch sei er öfter handgreiflich geworden und habe sie sexuell belästigt und bedrängt.

Krankenkasse wunderte sich, dass er nie zum Arzt ging

Frau und Opfer waren Nachbarn in der Harzgemeinde Ballenstedt.
Die Frau und das Opfer waren Nachbarn in der kleinen Harzgemeinde Ballenstedt.
© dpa, Jan Woitas

Die Frau und das Opfer waren Nachbarn in der kleinen Harzgemeinde Ballenstedt. Sie habe ihm im Haushalt geholfen und eine Kontovollmacht gehabt. Nach dem Tod des Mannes kassierte die Frau jahrelang seine Rente. Laut Anklage mindestens von März 2004 bis September 2015 fast 105.000 Euro. Von dem Geld sei wenig übrig. "Ich war spielsüchtig. Da ist viel in die Automaten gewandert."

Die Verbrechen flogen auf, weil sich Mitarbeiter der Krankenkasse gewundert hatten, dass für den 1920 geborenen Mann jahrelang keine Arztbesuche anfielen. Das Gericht hat sechs Verhandlungstage bis 6. September vorgesehen.