Prozessauftakt um Tod von Jonny K.: Onur U. streitet alles ab

"Ich habe ihn weder geschlagen noch getreten"

Heute Vormittag hat in Berlin der Prozess gegen die vermeintlichen Totschläger von Jonny K. begonnen. Vor gut sieben Monaten haben sechs Männer dermaßen auf den 20-Jährigen eingeschlagen und getreten, dass er an seinen schweren Verletzungen starb. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Doch ohne ein Geständnis wird es schwierig, den Angeklagten die Schuld nachzuweisen. Einer der Angeklagten hat bereits alle Schuld von sich gewiesen.

Onur U. beim Prozessauftakt um den Tod von Jonny K. in Berlin
Der angeklagte Onur U. bestreitet vor Gericht, an der Prügelattacke auf Jonny K. beteiligt gewesen zu sein.
dpa, Hannibal Hanschke

"Ich habe ihn weder geschlagen noch getreten", hieß es in der persönlichen Erklärung des 19-jährigen Onur U., die sein Anwalt Axel Weimann verlas. Er habe mit dem Tod des 20-Jährigen nichts zu tun, die anderen wollten alles auf ihn schieben, hieß es in der Erklärung weiter.

Onur U. war monatelang in der Türkei untergetaucht und stellte sich erst nach juristischem Tauziehen im April. Er sitzt zusammen mit fünf weiteren jungen Männern zwischen 19 und 24 Jahren auf der Anklagebank. Vier von ihnen wird gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen, zweien gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass Onur U. die treibende Kraft des Angriffs war. Auch ein Freund von Jonny K. war schwer verletzt worden.

Schwester tritt als Nebenklägerin auf

Der junge Berliner starb im Oktober 2012 an Gehirnblutungen. Er war laut Anklage nach massiven Schlägen vor den Rathauspassagen gestürzt. Der 24 Jahre alte Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft Jonny K. noch einen Tritt gegen den Kopf versetzt haben, als dieser schon reglos am Boden lag.

Die Schwester des Opfers, Tina K., tritt als Nebenklägerin auf. "Ich will wissen, wer schuld ist", sagte die 28-Jährige vor Prozessbeginn. "Ich hoffe, dass das nie wieder passiert. Die Jungs sollen sagen, was passiert ist und sich nicht gegenseitig die Schuld geben."

Das Hauptproblem im Prozess ist: Ohne ein Geständnis der Angeklagten kann die Staatsanwaltschaft nur schwierig nachweisen, wer inwiefern bei der Prügelei beteiligt war und was davon schließlich zu Jonnys Tod führte.