Prozessauftakt: Schwere Gegenstände auf Autobahn geworfen

Zwei Männer stehen in Münster wegen versuchten Mordes vor Gericht, weil sie schwere Gegenstände auf Autobahnen geworfen hatten. Motivbild
Zwei Männer stehen in Münster wegen versuchten Mordes vor Gericht, weil sie schwere Gegenstände auf Autobahnen geworfen hatten. Motivbild
© dpa, Rolf Vennenbernd

03. Juni 2015 - 12:32 Uhr

Angeklagte sprechen von "Jungenstreich"

Betonplatten, Baustellenleuchten, Baumstämme: Zwei junge Männer haben vor Gericht gestanden, reihenweise schwere Gegenstände auf die Autobahn geworfen zu haben. Einer der beiden 25-Jährigen aus Lengerich in Westfalen sagte zum Prozessauftakt in Münster: "Für mich war das ein Jungenstreich. Ich habe mir keine Gedanken gemacht."

Die Staatsanwaltschaft sieht das völlig anders: Sie hat die beiden wegen Mordversuchs angeklagt. Die unheimliche Serie begann im Oktober 2014 auf der A1 zwischen Münster und Osnabrück. Es war immer schon tief in der Nacht, wenn die kiloschweren Gegenstände von einsamen Brücken auf die Fahrbahn fielen. Es kam zu einer Serie von Unfällen - wie durch ein Wunder wurde jedoch niemand ernsthaft verletzt.

Es soll eine Mischung aus Übermut und Langeweile gewesen sein, die die Angeklagten zu den Taten veranlasst hatte. Was sie sich dabei gedacht haben? "Eigentlich gar nichts", sagten sie den Richtern. Nach eigenen Angaben haben die 25-Jährigen nicht einmal abgewartet, ob ein Unfall passiert. "Wir haben die Sachen runtergeschmissen und sind sofort wieder weg." Von gezielten Würfen auf heranbrausende Fahrzeuge könne keine Rede sein.

Neben Baumstämmen, Baustellenleuchten und einem Einkaufswagen haben die Angeklagten außerdem eine 30 mal 30 Zentimeter große Waschbetonplatte, eine 120-Liter-Mülltonne und eine komplette Naturholzbank auf die Autobahn geworfen. Die letzte Tat passierte Anfang Dezember 2014.

Danach kam die Polizei den Angeklagten auf die Spur: Die Ermittler hatten überprüft, welche Mobiltelefone zur Tatzeit an den entsprechenden Autobahnabschnitten eingeloggt waren. Neben den Würfen von Autobahnbrücken werden den Angeklagten außerdem mehrere Anschläge auf den Schienenverkehr vorgeworfen. Die 25-Jährigen sollen zwischen Oktober 2012 und April 2013 am Bahnhof Lengerich mehrfach Hindernisse für Züge aufgebaut haben - unter anderem mit Bauzäunen. Auch dabei kam es zu Sachschäden.