Sie zündete Wäsche an und ließ die Jungs in der brennenden Wohnung zurück

Prozessauftakt in Dortmund: Mutter soll versucht haben, ihre beiden Söhne zu töten

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19. November 2019 - 17:24 Uhr

Deborah W. wird versuchter Mord in zehn Fällen vorgeworfen

Weil sie in ihrer Wohnung absichtlich Feuer gelegt und ihre schlafenden Söhne dort zurückgelassen haben soll, muss sich eine junge Mutter vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten. Ihr wird versuchter Mord in zehn Fällen vorgeworfen – an ihren beiden Kindern und an den acht Nachbarn, die zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Gebäude waren. Zum Prozessauftakt bricht die 27-Jährige in Tränen aus, berichtet RTL-Reporterin Isabelle Kurz: Die Frau selbst beteuert, es habe sich um einen missglückten Schrei nach Aufmerksamkeit gehandelt.

Brand-Drama in Holzwickede: Alkoholiker-Mutter wollte ihren Verlobten zurück

Deborah W., heute 27 Jahre alt, ist arbeitslos. Gemeinsam mit ihrem Verlobten und ihren beiden Söhnen wohnt sie im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in Holzwickede nahe Dortmund. Es ist kein leichtes Leben für die junge Familie: Die junge Mutter hat ein Alkoholproblem, ist deshalb in einer Tagesklinik in Behandlung. Auch der Vater schaut gerne tief ins Glas.

An einem Abend im Mai 2019 trinkt Deborah wieder einmal. Jede Menge Bier und Schnaps. "Es gab keinen Grund", so schildert sie es selbst vor Gericht. "Es gab ja nie einen Grund. Ich hab' trotzdem jeden Tag getrunken."

Volltrunken streitet sich Deborah mit ihrem Verlobten. Er sagt, er wolle nicht in der gemeinsamen Wohnung schlafen. Die Beziehung ist zerrüttet. "Es lief nicht. Sehr schlecht." Deborah ist außer sich, sie sehnt sich nach Aufmerksamkeit.

In ihrer Trunkenheit ist sie überzeugt, sie müsse etwas Drastisches tun, um ihren Verlobten zurückzubekommen. Sie nimmt seine Klamotten aus dem Schrank, wirft sie aufs Sofa – und setzt sie in Flammen. "Ich hab' die Kleidungsstücke angezündet in der Hoffnung, dass er dann nach Hause kommt."

Angeklagter Mutter kommen die Tränen: "Ich wollte Aufmerksamkeit erregen"

Prozessauftakt in Dortmund: Mutter soll versucht haben, ihre beiden Söhne zu ermorden - sie setzte ihre Wohnung in Brand
Deborah W. soll laut Anklage versucht haben, ihre beiden Söhne umzubringen. Sie selbst spricht von einem missglückten Schrei nach Aufmerksamkeit.
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Währenddessen ist ein Cousin ihres Verlobten in einem Videochat zugeschaltet, muss mit ansehen, wie das Feuer immer weiter um sich greift. "Ich wollte Aufmerksamkeit erregen", sagt Deborah, "dass mein Verlobter darauf reagiert und nach Hause kommt." Als sie dem Richter schildert, was sie getan hat, kommen ihr die Tränen.

Während das Feuer lodert, schlafen ihre beiden Kinder auf ihren Zimmern. Deborah bekommt die Flammen nicht unter Kontrolle, wird panisch. Der Brand breitet sich aus. "Ich bin dann rausgerannt, um Hilfe zu holen", sagt sie. "Ich glaube nicht, dass ich in dem Moment viel nachgedacht habe."

Die Kinder, beteuert sie, will sie nicht absichtlich dem Tod überlassen haben. "Ich habe nicht gedacht, dass es so schnell brennt. Und es waren drei geschlossene Türen dazwischen." Sie habe gehofft, das Feuer schnell in den Griff zu bekommen – mithilfe ihrer Nachbarn. Deshalb habe sie die Kinder auch nicht geweckt.

Kinder kamen mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus – Lebensgefahr!

Die beiden Kinder müssen letztendlich von der Feuerwehr aus der brennenden Wohnung gerettet werden. Beide erleiden Rauchvergiftungen, einer der Jungen schwebt kurzzeitig sogar in Lebensgefahr. Nachbarn versuchen noch, die Kinder zu retten, bis auch sie von den Rettungskräften ins Freie gebracht werden.

Auffällig: Als die Polizei die offensichtlich angetrunkene Deborah schließlich in Gewahrsam nimmt, erkundigt sie sich nicht nach ihren Kindern. Warum? Sie sei eingeschüchtert gewesen, erklärt sie. "Die Polizeibeamtin hat mich gefragt, warum ich überhaupt Kinder in die Welt setze. Dann hab ich mich nicht mehr getraut zu fragen."

Mittlerweile sind die beiden Söhne wieder wohlauf. Deborahs Ex-Verlobter hat jetzt das alleinige Sorgerecht. Er will seinen Alkoholkonsum inzwischen drastisch reduziert haben – um dem Jugendamt zu beweisen, dass er in der Lage ist, sich verantwortungsvoll um die Jungs zu kümmern. "Ich habe meine Tests abgegeben", sagt er. "Ich hab' bewiesen, ich kann ohne Alkohol leben."

Im Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt.