Prozessauftakt: "IS-Mädchen" Safia (16) stach Polizisten in den Hals

21. Oktober 2016 - 14:49 Uhr

Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft

Ende Februar 2016 stach die damals 15-jährige Safia S. aus Hannover einem Polizisten ein Messer in den Hals. Der Beamte wurde mit einer lebensbedrohlichen Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Arbeitskollege konnte die Angreiferin anschließend überwältigen. Jetzt muss sich die Deutsch-Marokkanerin vor dem Oberlandesgericht in Celle für ihre Tat verantworten.

Die Bundesanwaltschaft wirft der inzwischen 16-jährigen Safia versuchten Mord sowie die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Ermittler werten den Angriff auf den Polizisten als die erste vom IS in Deutschland in Auftrag gegebene Terrortat. Dafür drohen Safia nun bis zu zehn Jahre Haft. Nach Angaben des Gerichtes ist es möglich, dass die Öffentlichkeit zum Schutz der Jugendlichen von dem Prozess ausgeschlossen wird. Die Hintergründe der Tat würden dann hinter verschlossener Tür erörtert.

Bereits in ihrer frühen Kindheit hatte Safia Kontakt mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel. Gemeinsam lasen sie 2008 aus dem Koran vor. Vogel stellte Safia als "unsere kleine Schwester im Islam" vor. Das Video ihres Auftrittes landete schließlich auf Youtube.

Am 22. Januar 2016 reiste Safia ihrem älteren Bruder in die Türkei nach. Von da aus wollte sie zum IS in Syrien gelangen. Aus Angst vor einer Radikalisierung holte ihre Mutter sie jedoch zurück. In Hannover erwartete Safia die Polizei, die das Handy der Schülerin beschlagnahmte. Bereits damals existierte auf ihrem Handy eine auf Arabisch verfasste Anweisung des IS zu der Messerattacke. Die Beamten übersetzten die Nachricht jedoch erst Anfang März. Da war es bereits zu spät.

Safias Vater: "Sie ist ein liebes Mädchen"

Safias Vater beschreibt seine Tochter in einem Interview als "liebes Mädchen" und als gute Schülerin. "Ich hätte ihr das nie zugetraut. Sie hat nie Gewalt gezeigt. Das muss irgendwo ein Aufruf aus dem Internet sein, da bin ich mir sicher. Sonst würde sie sowas nicht machen. Ich weiß nicht, was sie ihr versprochen haben." Die Mutter erzieht ihre Kinder nach Darstellung des Vaters streng religiös, die Eltern trennen sich schon früh.

In Celle mitangeklagt ist der 20-jährige Deutsch-Syrer Mohamad Hasan K., der von den Plänen des Mädchens gewusst haben soll. Vor dem Prozess hatte der 20-Jährige sich ins Ausland abgesetzt. Er wurde in Griechenland gefasst und am Dienstag ausgeliefert, gerade noch rechtzeitig zum Prozessbeginn.