Prozessauftakt in Köln: 16-jähriger Flüchtling soll Terroranschlag geplant haben

Fünf Verhandlungstage will sich das Kölner Landgericht mit dem Fall beschäftigen.
Fünf Verhandlungstage will sich das Kölner Landgericht mit dem Fall beschäftigen.
© dpa, Marius Becker, hns mg

23. Februar 2017 - 13:55 Uhr

Er hatte schon alle Utensilien zum Bau einer Bombe parat

Wegen Terrorverdachts muss sich seit Montag ein 16-jähriger syrischer Flüchtling vor dem Kölner Landgericht verantworten. Er soll einen islamistisch motivierten Anschlag geplant haben. Im September 2016 wurde er in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft festgenommen.

Ein konkretes Ziel gab es noch nicht

Dem Jugendlichen wird vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag geplant zu haben. Die Anweisungen zum Bau einer Bombe habe er von einem ausländischen Chatpartner mit Kontakt zum IS bekommen, so die Staatsanwaltschaft. Aufgefallen war der Jugendliche, weil er mit einem bevorstehenden Anschlag gedroht hatte. Bei einer Durchsuchung hatte die Polizei einen Batterieträger mit heraushängenden Drähten, ein Paket mit 70 Nähnadeln und Butangas-Kartuschen gefunden. Laut Anklage hätte der 16-Jährige damit jederzeit Sprengsätze bauen können.

Zunächst lebte der Jugendliche in Dülmen im Münsterland. Nach seinem Umzug in eine Flüchtlingsunterkunft in Köln-Porz soll er sich in kürzester Zeit radikalisiert haben. Chatprotokolle belegen, dass er Kontakt zu einem IS-Sympathisanten aus Palästina pflegte. Dieser soll den 16-Jährigen zu einem Anschlag aufgefordert haben. Neben den Bauanleitungen für einen Sprengsatz soll im Chatverlauf auch über mögliche Anschlagsorte gesprochen worden sein. Ein konkretes Ziel sei nicht dabei gewesen.

Es wäre alles nur Spaß gewesen

Mitte September soll der Angeklagte ein Bekennerplakat entworfen haben. Darauf zu sehen sei ein vom IS abgetrennter Männerkopf. Nachdem er seiner Schwester von seinem geplanten Anschlag erzählt hatte, erhielt die Polizei mehrere Hinweise, unter anderem aus einer Moschee in Köln-Porz. Ein Spezialkommando nahm in daraufhin fest.

Nach seiner Festnahme kam der 16-Jährige zunächst in die JVA Wuppertal-Ronsdorf. In den vergangenen Wochen wurde er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Eine psychische Erkrankung scheint jedoch nicht vorzuliegen. Das ergaben mehrere Stellungnahmen während des ersten Prozesstages. 

Bis zum Prozessauftakt beteuerte der Jugendliche laut Polizei immer weider, dass alles nur Spaß gewesen sei. Nun drohen ihm zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Haft. Das Gericht hat drei weitere Verhandlungstermine angesetzt. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.