Prozessauftakt in Darmstadt: Paar soll Rentnerin ermordet haben - TV-Serie als Vorbild

Mordprozess in Darmstadt: Die Angeklagten schweigen.
© dpa, Claus Völker, rho gfh

07. Februar 2018 - 18:51 Uhr

Frau und Mann wollten Serienmörderpaar werden

Inspiriert von einer Fernsehserie über 'Killer-Paare' und aus Geldnot soll sich ein Paar aus Südhessen entschlossen haben, zu Serienmördern zu werden. Als erstes Opfer wählten sie laut Anklage eine ihnen bekannte Rentnerin aus. Mit elf Messerstichen sollen sie die 81-Jährige im März 2017 in ihrer Wohnung in Dieburg getötet haben. Wegen Mordes müssen sich die Frau (38) und ihr damaliger Freund (28) jetzt vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

Mord aus Geldnot und 'Killer-Paare' als Vorbild

Hessen, Darmstadt: Einen wegen wegen Mordes aus Tötungswillen, Habgier und Heimtücke angeklagten 28-Jähriger (M) werden vor Prozessbeginn am Landgericht die Handschellen abgenommen, während sein Verteidiger Achim Flauaus (r) zusieht. Der
Der Angeklagte verstrickte sich während des Verhörs in Widersprüche.
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Zur Anklage äußern sich beide am ersten Verhandlungstag nicht. Dafür haben der Verteidiger der Frau, der psychiatrische Gutachter des Mannes und zahlreiche Zeugen das Wort. 
Das Paar soll bei der alten Frau im März 2017 geklingelt und in der Wohnung elfmal auf sie eingestochen haben; der Angeklagte von hinten, seine mutmaßliche Komplizin von vorne. Die Frau starb noch am Tatort, kurz zuvor wählte sie offenbar noch schwer atmend den Notruf, konnte aber nicht mehr sprechen.

Das Paar lernte sich in der Psychiatrie kennen

Der 28-Jährige suchte nach den tödlichen Stichen im Schlafzimmer der Frau unter der Matratze nach Geld, fand aber keins. Die Täter flüchteten anschließend lediglich mit den Eheringen der alleinstehenden Witwe und ihres gestorbenen Mannes. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Angeklagte gemeinschaftlich und heimtückisch handelten, vorrangig aus Tötungswillen, aber auch aus Habgier. 


Das arbeitslose Paar hatte sich Anfang 2017 in einer psychiatrischen Klinik in Groß-Umstadt gefunden. Der Angeklagte sei wegen einer schizophrenen Erkrankung behandelt worden, die Frau wegen Depressionen und Alkoholabhängigkeit. Wegen ihrer Beziehung hätten sie die Klinik verlassen müssen, seien aber zusammengeblieben. Dabei hätten sie sich regelmäßig Horrorfilme und online die Serie 'Killer-Paare' angeschaut und "nach einer Aufwertung ihres erheblich reduzierten Selbstwertgefühls gesucht", sagte der Staatsanwalt. "Spätestens am Nachmittag des Tattags beschlossen sie, Serienmörder zu werden." Um anschließend einer Auslieferung zu entgehen, hätten sie nach der Tat nach Afrika fliehen wollen. Auf dem Weg dorthin hätten sie sich wie Bonnie und Clyde gefühlt.