Prozessauftakt in Bremen: Vater erstach Mutter vor den Augen der Töchter

05. Oktober 2016 - 15:02 Uhr

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag

Vor dem Landgericht Bremen hat ein unglaublicher Prozess gegen einen 44-jährigen Familienvater begonnen. Der Mann soll seine 42 Jahre alte Ex-Frau vor den Augen der beiden Töchter mit einem Küchenmesser erstochen haben. Die Attacke ereignete sich im März in der Wohnung der Familie in Bremerhaven. Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, erinnert sich die 18-jährige Tochter Rabia, die abends früh schlafen gegangen war. Gegen kurz vor sechs am nächsten Morgen hört sie dann aber Schreie.

Im ersten Moment dachte sie an Einbrecher. "Ich bin direkt ins Wohnzimmer reingerannt, hab vor mir meinen Vater gesehen. Daneben meine Mama voller Blut", erzählt die junge Frau. Der 44-Jährige hatte der Frau ein Küchenmesser in den Oberkörper gerammt und sie dadurch so schwer verletzt, dass sie 23 Tage später im Krankenhaus starb. "Sie war noch bei Bewusstsein, meinte aber die ganze Zeit, dass sie sterben wird", sagt Rabia. Rabia rief sofort den Notdienst. Bis die Rettungskräfte eintrafen, versuchte die Abiturientin verzweifelt die Blutung zu stillen.

Die 7-jährige Seden musste alles mit ansehen

Rabias 7-jährige Schwester Seden saß zitternd daneben und musste alles mit ansehen. Sie hatte im Zimmer der Mutter geschlafen und war aufgewacht, als der Vater die Mutter an den Haaren aus dem Bett riss und ins Wohnzimmer zerrte. Seden berichtete, dass der Vater bei der Mutter schlafen wollte. Als diese sich wehrte, sei er durchgedreht und habe zum Messer gegriffen.

Die Eltern waren offiziell geschieden. Yüksel S. soll seine Frau mehrfach betrogen haben. Doch weil er nach der Scheidung keine Wohnung fand, zog er wieder bei der 42-Jährigen ein. Einen Tag nach seiner blutigen Attacke auf seine Ex-Frau stellte sich der Mann der Polizei.

Nun muss sich Yüksel S. wegen Totschlags vor Gericht verantworten. Rabia und ihre Familie fordern Gerechtigkeit für die tote Zeynep. 12 Prozesstage sind angesetzt. Die Abiturientin kann ihrem Vater im Gerichtssaal nicht in die Augen sehen. "Ihn dann wieder nach sieben Monaten zu sehen nach der ganzen Sache, war schlimm für mich und ich konnte auch nicht lange bleiben", erzählt Rabia. "Für meinen Vater empfinde ich nur noch Hass", sagt sie.

Wenn der Angeklagte wegen Totschlags schuldig gesprochen wird, droht ihm eine lange Haftstrafe. "Das Gesetz sieht für einen Totschlag einen Strafrahmen von fünf bis fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe vor", erklärte Thorsten Prange, Sprecher des Landgerichts Bremen.