Seine Verlobte kam heute zum Prozess

Prozessauftakt in Istanbul: der Regimekritiker Khashoggi wurde in der saudischen Botschaft ermordet und zerstückelt

Prozessauftakt in Istanbul gegen 20 Angeklagte wegen Khashoggi-Mordes. Anwesend dabei auch die Verlobte Kashoggis, Hatice Cengiz,
© dpa, Emrah Gurel, LP lix alf

03. Juli 2020 - 17:52 Uhr

Ein Sonderkommando ermordete und zerstückelte ihn

Vor über eineinhalb Jahren wurde der regierungskritische, saudische Journalist Jamal Khashoggi in Istanbul ermordet. Ein Sonderkommando tötete ihn in der saudischen Botschaft, als er dort Papiere für seine Hochzeit abholen wollte. Jetzt wird der Fall vor Gericht verhandelt. Auch Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz war anwesend. Sie wurde beim Prozessauftakt befragt.

Khashoggis Verlobte spricht beim Prozessauftakt

Porträt von Jamal Kashoggi in Istanbul nahe der saudischen Botschaft
Am 02. Oktober 2018 wurde der Journalist Jamal Kashoggi in Istanbul ermordet.
© AP, Lefteris Pitarakis, LP

Vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul sind viele Kameras aufgereiht: Jamal Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz will sich am ersten Prozesstag nach ihrer Aussage vor Gericht gegenüber den Medien äußern.

Als Khashoggi ermordet wurde, wartete Cengiz vergeblich vor dem saudischen Konsulat auf ihren Verlobten, den sie dort das letzte Mal sah. Der regierungskritische Journalist wurde von einem saudischen Killerkommando brutal ermordet. Khashoggi hatte an diesem Tag Papiere für die bevorstehende Hochzeit abholen wollen.

Cengiz wirkt beherrscht. Khashoggis Verlobte sagt, sie sei erschöpft, mental und körperlich. Seit Khashoggi ermordet wurde, erzählt Cengiz, trage sie eine Last und eine Verantwortung auf ihren Schultern. Das bedeutet für Cengiz, dass sie sich für Gerechtigkeit einsetzen will, wo sie kann. Cengiz betont, sie setze Vertrauen in die türkische Justiz.

Saudische Kronprinz "war irgendwie im Bilde"

Mandel Ngan/Pool via REUTERS/File Photo
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gilt als Drahtzieher hinter dem Kashoggi-Mord. Für eine offizielle Anklage reichten die Beweise nicht.
© REUTERS, POOL New, MN/DAM/FW1F/Cassell Bryan-Low/FW

Auch die UN Sonderberichterstatterin Agnes Callamard tritt vor die Medien. Callamard hatte Khashoggis Mord untersucht. Sie sagt, dieser Prozess sei wichtig, neue Informationen würden so ans Licht kommen, obwohl das Verfahren unter Einschränkungen stattfindet: den 20 Angeklagten wird in Abwesenheit der Prozess gemacht. Unter ihnen: zwei ehemalige enge Berater des Kronprinzen Mohammed bin Salman, Saud bin Abdullah al-Kahtani und Ahmed al-Asiri.

Sie werden beschuldigt, die anderen Angeklagten zu vorsätzlichem Mord unter Folter angestiftet zu haben. Damit rückt auch Mohammed bin Salman erneut in den Fokus, obwohl der Kronprinz nicht direkt angeklagt ist. 

Callamard sagt, sie hatte bei ihrer Untersuchung nicht die Beweise, um genau festzustellen, ob der Kronprinz das Verbrechen befohlen oder zur Tat angestiftet habe, oder ob er nicht in der Lage gewesen war, den Mord zu verhindern, "aber er war irgendwie im Bilde," sagte Callamard.

Lückenlose Aufklärung geht nur mit Saudi Arabien

Kashoggis Verlobte Hatice Cengiz vor zahlreichen Journalisten zum Prozess-Auftakt in Istanbul.
Menschenrechtler nehmen Kashoggi-Prozess zum Anlass, an das Verbrechen zu erinnern - und an die vielen noch offenen Fragen.
© AP, Emrah Gurel, LP

Für eine lückenlose Aufklärung wäre natürlich auch die Kooperation Saudi-Arabiens gefragt. Die Türkei beklagte immer wieder, dass das Königreich die Untersuchungen in dem Fall behindert habe.

Viele Details sind bis heute nicht geklärt. So wurde zum Beispiel der Leichnam Khashoggis nie gefunden. Auch wenn der Prozess in Istanbul vermutlich viele Fragen am Ende nicht beantworten wird – Menschenrechtler sind davon überzeugt, dass das Verfahren auch deswegen wichtig sei, weil so erneut ein Schlaglicht auf den grausamen Mord an Kashoggi geworfen und an das Verbrechen erinnert wird.

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