Prozess wegen Falschaussage über Gruppenvergewaltigung

"Bring mich nach Hause": Inhaftierte Britin (19) auf Zypern bittet Boris Johnson um Hilfe

Der Fall einer inhaftierten Britin auf Zypern sorgt in Großbritannien für Wirbel.
© Daily Mail

03. Januar 2020 - 17:58 Uhr

19-Jährige bittet britischen Premierminister um Hilfe

Im Sommer behauptete eine Jugendliche, sie sei auf Zypern von einer Gruppe israelischer Touristen in einem Hotelzimmer in der Stadt Ayia Napa vergewaltigt worden. Später wiederrief sie ihre Aussage. Ein Gericht auf Zypern befand die 19-Jährige daraufhin wegen Falschaussage über eine Gruppenvergewaltigung für schuldig. Jetzt sagt die junge Frau, die zypriotische Polizei habe sie gezwungen, ihre Aussage zurückzunehmen. Die Britin bittet sogar den britischen Premierminister Boris Johnson, ihr zu helfen und sie "nach Hause zu bringen".

Britin drohen ein Jahr Gefängnis und eine Geldstrafe von 1.500 Pfund

Die Frau hatte im Juli angegeben, von mehreren israelischen Männern vergewaltigt worden zu sein. Daraufhin waren vorübergehend sieben Teenager festgenommen worden. Wenige Tage später konnten sie aber nach Israel ausreisen, da die Britin ihre Beschuldigung zurückgenommen hatte. Das Strafmaß soll am 7. Januar verkündet werden. Ihr drohen ein Jahr Gefängnis und eine Geldstrafe von 1.500 Pfund.

Auf die Frage, warum sie die Männer beschuldigt hat, soll die Frau angegeben haben, verärgert gewesen zu sein, als sie bemerkte, dass sie beim Sex gefilmt worden war. Neben ihrer Aussage hätten auch die Auswertung von Handydaten und die Spurensicherung ergeben, dass die Behauptungen der Frau nicht mit ihren Angaben übereinstimmten, berichteten zypriotische Medien unter Berufung auf Justizkreise.

Beweismittel der Britin beim Verfahren nicht berücksichtigt

In Großbritannien gibt es Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens. Die junge Frau hatte ihre ursprünglichen Anschuldigungen zwar widerrufen, doch ihre Anwälte glauben, sie habe dies nur unter Druck der Ermittler während eines stundenlangen Verhörs gemacht. Beweismittel, wie ein Video aus der Tatnacht, seien in dem Verfahren gegen die Frau nicht berücksichtigt worden, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf die Verteidiger. Das britische Außenministerium zeigte sich "sehr besorgt" und kündigte an, den Fall mit den zypriotischen Behörden zur Sprache zu bringen.

Britin möchte ihren Namen reinwaschen

"Jede Sekunde dieser Tortur war ein Albtraum. Ich bin 19 und möchte nur meinen Namen reinwaschen und zu meiner Familie zurückkehren", sagte die Beschuldigte der "Sun". "Ich möchte sowohl dem Außenminister als auch dem Premierminister, die beide Väter sind, sagen, bitte unterstützen Sie mich mit Ihren Taten, nicht nur mit Ihren Worten."

Auch die Mutter der 19-Jährigen machte den zypriotischen Behörden im Interview mit "Today" schwere Vorwürfe. "Wenn du gehst und meldest, dass dir etwas passiert ist, wirst du entweder ausgelacht, soweit ich das beurteilen kann, oder im schlimmsten Fall passiert dir so etwas wie bei meiner Tochter." Die Frau berichtete außerdem, dass ihre Tochter aufgrund von Hypersomnie an einer posttraumatischen Belastungsstörung, an Halluzinationen leide und bis zu 20 Stunden am Tag schlafe.