Skurriler Prozess um Ziegenbock in München

Ziegenbock Hui Buh darf nicht zu seinen Besitzerinnen zurück

19. September 2019 - 7:54 Uhr

Das Tier bleibt auf dem Gnadenhof

Das Verwaltungsgericht in München hat sich mit einem sehr skurrilen Fall befasst. Die Kläger: eine Mutter und ihre Tochter, die einen kleinen Zwergziegenbock weggeben mussten. Der Grund: nicht-artgerechte Haltung. Hui Buh – so nennen die Besitzerinnen ihren Bock – ist jetzt auf einem Gnadenhof untergebracht. Mutter und Tochter wollten aber Hui Buh unbedingt zurück. Die beiden Frauen behaupteten, das Tier benötige aufgrund einer neurologischen Erkrankung eine Einzelbetreuung. Doch das Gericht hat entschieden: Das Tier bleibt auf dem Gnadenhof.

Tierschutzbund: Ziegen sind Herdentiere

13.09.2019, Bayern, Lochhausen: Elisabeth Anders (r) und Tochter Magdalena Anders zeigen ein Bild vom Ziegenbock "Hui Buh". Die Familie hatte das Tier Zuhause aufgepäppelt, bis es wegen nicht artgerechter Haltung beschlagnahmt wurde. Am 19.09.2019 be
Wenn Elisabeth Anders (r.) an ihren Hui Buh denkt, muss sie weinen.
© dpa, Matthias Balk, mbk

"Es war ein großer Schock, die Ziege zu verlieren", sagt die 29 Jahre alte Tochter Magdalena Anders. "Hui Buh hat es geliebt, Auto zu fahren." Genau das war aber den Behörden ein Dorn im Auge: Das Landratsamt München war durch eine Autofahrt der Frauen mit dem Tier auf dem Schoß aufmerksam geworden. Das Armaturenbrett war mit Heu ausgelegt.

Laut Deutschem Tierschutzbund sind Ziegen "sehr neugierige Herdentiere, die gerne ihre Umgebung erkunden und unbedingt Auslauf und Möglichkeiten zum Klettern, Springen und zur Beschäftigung benötigen". Sie müssen also unter Artgenossen leben.

Hui Buh soll aber anders sein: Die Mutter habe ihn verstoßen, er habe "neurologische Ausfälle" gehabt und nicht selbstständig gefressen. "Er hat nur Milch und Wasser aus der Flasche getrunken, bis er ein Jahr alt war", sagt Elisabeth Anders. Ohne sie und ihre Tochter, da ist die 55-Jährige sicher, wäre er gestorben. "Wir haben ihn durchgebracht."

Ziege versteht sich mit Artgenossen nicht

16.09.2019, Bayern, Germering: Gerd Walther, Tierpfleger, lässt sich von Ziegenbock "Hui Buh" (vom Gericht und Gnadenhof "Buh-Buh" genannt) in einem Freigehege auf dem Gnadenhof Gut Streiflach beschnuppern. Eine Familie hatte das Tier bei sich in der
Mit dem Tierpfleger versteht sich Hui Buh gut, allerdings nicht mit seinen Artgenossen.
© dpa, Matthias Balk, mbk bsc

Hui Buh lebt jetzt auf dem Gnadenhof Gut Streiflach in Germering bei München. Dort hat er ein großes Gelände, auf dem er sich frei bewegen kann. Mit seinen Artgenossen versteht er sich allerdings weniger gut. Der kleine Bock hat es schwer bei den anderen Ziegen. Sie akzeptieren ihn nach Angaben des Gnadenhofes nicht - weil er vorher falsch gehalten wurde.

Die kleine Ziege wird erstmal nicht in die Familie zurückkehren. Das hat das Verwaltungsgericht nun entscheiden. Mutter und Tochter lassen sich aber nicht entmutigen: "Wir werden weiterkämpfen."