27. Juni 2019 - 10:08 Uhr

Tochter leidet an unheilbarer Augenkrankheit

Ein 63-Jähriger aus dem Kreis Trier-Saarburg wollte seine unheilbar kranke Tochter töten – offenbar weil er es nicht mehr ertragen konnte, sie leiden zu sehen. Im Oktober 2018 stach er die 36-Jährige mit einem Messer nieder. Dann versuchte er, sich selbst zu töten. Beide überlebten. Nun steht der Vater wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

„Ich habe keine Lösung mehr gesehen“

„Was Sie in den Akten finden, das habe ich getan“, sagte vor Gericht.
„Was Sie in den Akten finden, das habe ich getan“, sagte vor Gericht.
© RTL/Zone7

Die Tochter leidet an einer schweren Augenkrankheit und erblindet immer mehr. Für ihn als Vater sei es "unerträglich" gewesen, mitanzusehen, wie sich ihr Zustand immer mehr verschlimmerte, gestand der Mann vor Gericht. Die 36-Jährige konnte immer weniger: Weniger sehen, weniger vor die Tür gehen, weniger Leute ertragen. Für fast alle alltäglichen Dinge ist sie auf Hilfe angewiesen.

"Was Sie in den Akten finden, das habe ich getan", sagte er. "Es ist die Wahrheit." Seine Tochter erblindete immer weiter. 2018 kamen bei ihr noch Panikattacken und schwere Depressionen hinzu. "Ich habe keine Lösung mehr gesehen", sagte der gelernte Fernmeldetechniker. Seine Tochter habe mehrfach gesagt, dass sie so nicht mehr leben wolle.

Tochter und Vater überleben schwer verletzt

Trier
Vor dem Landgericht Trier startete am Dienstag der Prozess gegen den Vater, der seine kranke Tochter töten wollte.
© RTL/Zone7

Als die 36-Jährige gerade im Badezimmer war, griff er sie plötzlich von hinten mit einem Messer an. Die Attacke kam für die Frau völlig überraschend. Nach den ersten Stichen sagte sie zu ihrem Vater, dass sie weiterleben wolle. Sie robbte schwer verletzt in den Hausflur, wo Nachbarn sie entdeckten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kümmerte sich der 63-Jährige bis dahin "aufopferungsvoll" um seine Tochter. Mit der Tat habe er "die Familie von einer scheinbar unerträglichen Situation" erlösen wollen, sagte Oberstaatsanwalt Eric Samel. Nachdem er seine Tochter niedergestochen hatte, versuchte der Vater sich selbst mit dem Messer das Leben zu nehmen. Doch der Selbstmordversuch scheiterte.

Juristisch gesehen sei der Fall "ein klassisches versuchtes Tötungsdelikt", sagte Samel. "Aber die menschliche Komponente, die Familientragödie, die dahinter steht, ist natürlich ein ganz besonderer Aspekt."

Hilfe in schwierigen Situationen

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.