Prozess um erfundene Vergewaltigung in Darmstadt: Heidi K. muss nun selbst ins Gefängnis

Fünfeinhalb Jahre Haft wegen schwerer Freiheitsberaubung

Mit einer erfundenen Vergewaltigung brachte sie einen Kollegen für fünf Jahre hinter Gitter. Später kam heraus: Heidi K. wollte ihren Rivalen im Kampf um eine bessere Stelle ausschalten. Besonders tragisch: Kurz nach seiner Entlassung starb der zu Unrecht Verurteilte an Herzversagen. Nun ist die inzwischen 48 Jahre alte Frau in Darmstadt selbst zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft wegen schwerer Freiheitsberaubung verurteilt worden.

Lehrerin Heidi K. muss nun selbst hinter Gitter
Lehrerin Heidi K. beschuldigte einen Kollegen fälschlicherweise, er habe sie vergewaltigt. Dieser saß deswegen fünf Jahre unschuldig im Gefängnis. Nun muss sie selbst hinter Gitter.
dpa, Nicolas Armer

Die Richterin sagte in ihrer Urteilsbegründung, die Angeklagte habe ihren angeblichen Peiniger zu Unrecht bezichtigt. Die Frau habe sich ihre Verletzungen selbst zugefügt. "Sie hält ihre Geschichte bis heute durch."

Ihr Opfer starb kurz nach der Haftentlassung

Der unschuldig verurteilte Mann wurde erst in einem Wiederaufnahmeverfahren im Jahr 2011 von dem Vorwurf freigesprochen. Schon im ersten Verfahren hatte er die Anschuldigungen bis zuletzt bestritten. Da er bei dieser Haltung auch in der Haft blieb, musste er die Strafe von fünf Jahren bis zum Schluss absitzen. Nach dem Freispruch hatte er nicht mehr in sein altes Leben zurückgefunden, am Ende lebte der ehemalige Pädagoge von Hartz IV.

Die Wende in dem spektakulären Fall leitete eine Frauenbeauftragte des zuständigen Schulamtes ein. Sie wurde stutzig, als sie feststellte, dass das vermeintliche Opfer auch in anderen Fällen reihenweise Lügen auftischte. Die Angeklagte war in dem aktuellen Verfahren jedoch immer bei ihrer Version geblieben, von ihrem damaligen Kollegen vergewaltigt worden zu sein. Die Verteidigung plädierte deswegen auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren gefordert, weil die Angeklagte eine "höchstkompetente Lügnerin" sei.