Top-Manager müssen Millionensumme nicht selber zahlen

Prozess um Abgasskandal eingestellt: VW-Bosse kaufen sich für 9 Millionen Euro frei

20. Mai 2020 - 16:38 Uhr

Landgericht in Braunschweig stellt Verfahren ein

Im September 2015 wurde öffentlich bekannt, dass der Autohersteller Volkswagen eine illegale Abschalteinrichtung in Diesel-Fahrzeugen verwendet hat, um Abgasnormen einhalten zu können. Daraufhin gab es Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Die beiden mächtigsten VW-Männer -  Vorstandschef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch - wurden vergangenes Jahr sogar wegen Marktmanipulation angeklagt. Das Landgericht Braunschweig hat jetzt das Strafverfahren wegen möglicher Markt-Manipulation eingestellt - gegen eine Zahlung von neun Millionen Euro. Diese Summe zahlen die Top-Manager aber nicht aus eigener Tasche.

VW-Bosse nach Einigung nicht vorbestraft

Die Ermittler warfen Diess und Pötsch vor, im Zusammenhang mit dem Auffliegen des Abgasskandals Anleger und VW-Aktionäre nicht rechtzeitig über das Ausmaß der finanziellen Folgen und drohenden Strafen informiert zu haben. Mit der Einstellung des Verfahrens sehen die Anwälte des Unternehmens nun ihre Einschätzung bestätigt, dass die Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden und den Chefkontrolleur nicht begründet seien.

Diess und Pötsch haben zugestimmt, das Verfahren gegen eine Geldzahlung von 4,5 Millionen Euro pro Person einzustellen. Die beiden Manager gelten durch die Einigung als nicht vorbestraft. Sie zahlen die Millionensummen auch nicht selbst, das Geld wird vom Unternehmen VW kommen.

Auch der Aufsichtsrat von Volkswagen begrüßt die Entscheidung und sieht sich bestätigt, dass Diess und Pötsch nichts über den Abgasskandal wussten. Aus dem Landgericht Braunschweig gab es zunächst keinen Kommentar zu der Einigung.

Verfahren gegen früheren VW-Chef Winterkorn läuft noch

Auch gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn gibt es ein Verfahren wegen Marktmanipulation. Das Verfahren wackelt aber offenbar auch schon. Zu Winterkorns Zeiten wurde der Abgasskandal publik gemacht. Winterkorn entschuldigte sich, doch auch er soll die Börse zu spät über den Skandal aufgeklärt haben und so für den Kursverfall der VW-Aktie mitverantwortlich gewesen sein.

Auch Zivilklagen gegen Volkswagen wenig aussichtsreich

Neben den nun eingestellten Strafverfahren laufen auch noch zahlreiche Zivilklagen gegen die VW-Manager, denn viele VW-Aktionäre wollen ebenfalls gegen die beiden vor Gericht ziehen. Doch auch hier wird es laut Experten schwierig, den Top-Managern etwas nachzuweisen.